Gewöhnliche Kuhschelle
Die Kuhschelle blüht im zeitigen Frühjahr auf Kalkmagerrasen und in Steingärten. Wie viele Hahnenfußgewächse bildet sie aus Ranunculin das reizende Protoanemonin. Wild wachsende Pflanzen sind besonders geschützt.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Ranunculosid-Lactone |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Protoanemonin (entsteht aus Ranunculin) |
| WIRKTYP | Reizstoff | reizt Haut und Schleimhäute |
| Giftige Teile | alle frischen Teile |
|---|---|
| Blüte | März bis Mai |
| Fruchtreife | Mai bis Juli |
| Standort | Kalkmagerrasen, Heiden; häufig in Steingärten |
Botanisches Profil
Ausdauernde, 5 bis 30 Zentimeter hohe Pflanze, die ganze Pflanze seidig behaart. Die Grundblätter sind fein fiederteilig mit schmalen Zipfeln und erscheinen meist erst nach der Blüte. Die glockigen, violetten Blüten haben sechs außen behaarte Blütenhüllblätter und ein gelbes Staubblattbüschel. Nach der Blüte verlängern sich die Griffel zu federigen Fruchtschöpfen.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die dichte Behaarung schützt Blüten und Blätter vor Kälte und Austrocknung im zeitigen Frühjahr. Die federigen Früchte werden vom Wind verbreitet. In Deutschland ist die Art selten geworden und besonders geschützt.
Vom Molekül zum Symptom
Der Mechanismus ist derselbe wie bei Sumpf-Dotterblume und Scharbockskraut: Erst wenn das Gewebe verletzt wird, entsteht aus Ranunculin das reaktive Protoanemonin. Getrocknet wandelt es sich in das kaum reizende Anemonin um. Mehr zu Protoanemonin →
Klinisches Bild
- Nach Kontakt mit frischem Saft
- Rötung, Brennen, Blasen
- Nach dem Verschlucken
- Brennen in Mund und Rachen
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
- Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV), Anlage 1: besonders geschützte Arten.
Weitere Einträge

Gewöhnliche Robinie
Ein häufiger Baum an Straßen, Bahndämmen und in Parks, oft fälschlich „Akazie“ genannt. Rinde und Samen enthalten giftige Eiweiße.

Gewöhnliche Waldrebe
Silbrig-fedrige Fruchtstände im Herbst. Ihr Gift entsteht erst, wenn man sie verletzt.

Gewöhnlicher Liguster
Die Heckenpflanze schlechthin, im Herbst mit glänzend schwarzen Beeren. Nach der Eibe die Pflanze, zu der der Giftnotruf am häufigsten angerufen wird.