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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigHahnenfußgewächse · Ranunculaceae

Knöllchen-Scharbockskraut

Ficaria verna Huds.

Im Vorfrühling bildet das Scharbockskraut gelbe Blütenteppiche unter Bäumen. Wie viele Hahnenfußgewächse enthält es Ranunculin, aus dem beim Zerkauen das reizende Protoanemonin entsteht. Der Gehalt steigt mit der Blüte.

Knöllchen-ScharbockskrautKnöllchen-Scharbockskraut
Gelbe Sternblüten mit acht bis zwölf schmalen, glänzenden Kronblättern über einem dichten Teppich herzförmiger, fleischiger Blätter. Dürertal, Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSERanunculosid-Lactone
HAUPTTOXINProtoanemonin (entsteht aus Ranunculin)
WIRKTYPReizstoff | reizt Haut und Schleimhäute
Giftige Teilefrisches Kraut, besonders ab der Blüte
BlüteMärz bis Mai
Standortfeuchte Laubwälder, Auen, Parkrasen, Hecken

Botanisches Profil

Niedrige, 5 bis 20 Zentimeter hohe Pflanze mit herzförmigen, glänzenden, etwas fleischigen Blättern. Die Blüten haben acht bis zwölf schmale, glänzend gelbe Kronblätter. Die Knöllchen-Form trägt in den Blattachseln kleine, weißliche Brutknöllchen. Ab Juni ist die Pflanze oberirdisch verschwunden.

MerkmalScharbockskrautSumpf-Dotterblume
Kronblätter8–12, schmal5, breit
Blätterklein, herzförmiggroß, rundlich-nierenförmig
StandortLaubwald, Rasennass, an Gräben und Bächen

Wozu die Pflanze das Gift hat

Das Scharbockskraut nutzt das Licht im Laubwald, bevor sich die Baumkronen schließen. Im Frühsommer ist es bereits wieder eingezogen. Die Knöllchen-Form vermehrt sich vor allem über kleine Brutknöllchen in den Blattachseln, die nach Regen ausgeschwemmt werden – daher die alte Vorstellung vom „Getreideregen“.

Vom Molekül zum Symptom

In den Zellen ist Ranunculin getrennt von dem Enzym gespeichert, das es spalten kann. Erst wenn das Gewebe zerquetscht wird, entsteht Protoanemonin. Es reagiert mit Schwefelgruppen in Eiweißen und aktiviert Schmerzrezeptoren in Haut und Schleimhaut. Beim Trocknen wird es zu unwirksamem Anemonin – getrocknet ist die Pflanze deshalb kaum noch reizend. Mehr zu Protoanemonin →

Klinisches Bild

  • Nach Kontakt mit frischem Saft
    • Rötung, Brennen der Haut
  • Nach dem Essen größerer Mengen nach der Blüte
    • Brennen in Mund und Rachen
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Die Geschichte dahinter

„Scharbock“ ist ein altes Wort für Skorbut. Die jungen Blätter sind vor der Blüte reich an Vitamin C und wurden früher im Vorfrühling gegen die Mangelkrankheit gegessen – bevor der Gehalt an Protoanemonin mit der Blüte ansteigt.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.