Knöllchen-Scharbockskraut
Im Vorfrühling bildet das Scharbockskraut gelbe Blütenteppiche unter Bäumen. Wie viele Hahnenfußgewächse enthält es Ranunculin, aus dem beim Zerkauen das reizende Protoanemonin entsteht. Der Gehalt steigt mit der Blüte.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Ranunculosid-Lactone |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Protoanemonin (entsteht aus Ranunculin) |
| WIRKTYP | Reizstoff | reizt Haut und Schleimhäute |
| Giftige Teile | frisches Kraut, besonders ab der Blüte |
|---|---|
| Blüte | März bis Mai |
| Standort | feuchte Laubwälder, Auen, Parkrasen, Hecken |
Botanisches Profil
Niedrige, 5 bis 20 Zentimeter hohe Pflanze mit herzförmigen, glänzenden, etwas fleischigen Blättern. Die Blüten haben acht bis zwölf schmale, glänzend gelbe Kronblätter. Die Knöllchen-Form trägt in den Blattachseln kleine, weißliche Brutknöllchen. Ab Juni ist die Pflanze oberirdisch verschwunden.
| Merkmal | Scharbockskraut | Sumpf-Dotterblume |
|---|---|---|
| Kronblätter | 8–12, schmal | 5, breit |
| Blätter | klein, herzförmig | groß, rundlich-nierenförmig |
| Standort | Laubwald, Rasen | nass, an Gräben und Bächen |
Wozu die Pflanze das Gift hat
Das Scharbockskraut nutzt das Licht im Laubwald, bevor sich die Baumkronen schließen. Im Frühsommer ist es bereits wieder eingezogen. Die Knöllchen-Form vermehrt sich vor allem über kleine Brutknöllchen in den Blattachseln, die nach Regen ausgeschwemmt werden – daher die alte Vorstellung vom „Getreideregen“.
Vom Molekül zum Symptom
In den Zellen ist Ranunculin getrennt von dem Enzym gespeichert, das es spalten kann. Erst wenn das Gewebe zerquetscht wird, entsteht Protoanemonin. Es reagiert mit Schwefelgruppen in Eiweißen und aktiviert Schmerzrezeptoren in Haut und Schleimhaut. Beim Trocknen wird es zu unwirksamem Anemonin – getrocknet ist die Pflanze deshalb kaum noch reizend. Mehr zu Protoanemonin →
Klinisches Bild
- Nach Kontakt mit frischem Saft
- Rötung, Brennen der Haut
- Nach dem Essen größerer Mengen nach der Blüte
- Brennen in Mund und Rachen
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Die Geschichte dahinter
„Scharbock“ ist ein altes Wort für Skorbut. Die jungen Blätter sind vor der Blüte reich an Vitamin C und wurden früher im Vorfrühling gegen die Mangelkrankheit gegessen – bevor der Gehalt an Protoanemonin mit der Blüte ansteigt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Weitere Einträge

Mittelmeer-Feuerdorn
Leuchtend orange Früchte an dornigen Hecken. Viel Farbe, wenig Gift.

Rote Heckenkirsche
Glänzend rote Beeren, immer paarweise. Bitter, und für Kinder trotzdem verlockend.

Schneeball
Rote und schwarze Früchte am selben Strauch. Roh reizen sie den Magen.