Gewöhnliche Robinie
Die Robinie stammt aus Nordamerika und wächst bei uns an Straßen, Bahndämmen und in Parks. Rinde, Samen und Blätter enthalten giftige Eiweiße. Beschwerden entstehen vor allem, wenn Kinder Rinde kauen oder Samen essen; für Pferde ist sie besonders gefährlich.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Lektine |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Robin und weitere Lektine |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung |
| Giftige Teile | Rinde, Samen, Blätter; die Blüten gelten als ungiftig |
|---|---|
| Blüte | Mai bis Juni |
| Fruchtreife | September bis Oktober, Hülsen hängen bis ins Frühjahr |
| Herkunft | Nordamerika; bei uns eingebürgert, auf Magerrasen invasiv |
Botanisches Profil
Baum bis 25 Meter mit tief gefurchter Borke. An den Zweigen stehen paarweise kräftige, rotbraune Dornen, umgewandelte Nebenblätter. Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit 7 bis 19 ganzrandigen, ovalen Blättchen. Im Frühsommer hängen duftende, weiße Blütentrauben. Daraus entstehen flache, braune Hülsen mit nierenförmigen Samen, die oft bis zum nächsten Frühjahr am Baum bleiben.
| Merkmal | Robinie | Gewöhnlicher Goldregen |
|---|---|---|
| Blätter | gefiedert, 7–19 Blättchen | dreizählig |
| Blüten | weiß | gelb |
| Dornen | ja, paarweise | nein |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Robinie stammt aus Nordamerika. Wie alle Schmetterlingsblütler bindet sie mit Knöllchenbakterien Stickstoff und düngt damit den Boden. Auf Magerrasen verdrängt sie deshalb seltene Arten, die auf nährstoffarme Böden angewiesen sind. Ihre Blüten sind eine wichtige Bienenweide – der „Akazienhonig“ stammt von der Robinie.
Vom Molekül zum Symptom
Die Lektine der Robinie binden an Zuckerstrukturen auf Zelloberflächen, verkleben Zellen miteinander und reizen die Darmschleimhaut. Sie sind mit dem Ricin entfernt verwandt, aber weit weniger giftig, weil ihnen die enzymatische Kette fehlt, die Ribosomen zerstört. Mehr zu Lektinen →
Klinisches Bild
- Nach dem Kauen von Rinde oder dem Essen von Samen
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Durchfall, Benommenheit
Die Geschichte dahinter
Der Name ehrt Jean Robin, den Hofgärtner des französischen Königs, der die Bäume um 1600 nach Europa brachte. Ein Exemplar, das 1601 in Paris gepflanzt wurde, steht bis heute im Square René-Viviani und gilt als ältester Baum der Stadt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Weitere Einträge

Gewöhnliche Waldrebe
Silbrig-fedrige Fruchtstände im Herbst. Ihr Gift entsteht erst, wenn man sie verletzt.

Gewöhnlicher Liguster
Die Heckenpflanze schlechthin, im Herbst mit glänzend schwarzen Beeren. Nach der Eibe die Pflanze, zu der der Giftnotruf am häufigsten angerufen wird.

Gewöhnlicher Rainfarn
Gelbe Knöpfe ohne Blütenblätter und ein strenger Geruch nach Kampfer. Früher ein Wurmmittel – sein Öl kann Krämpfe auslösen.