Gewöhnlicher Liguster
Die häufigste Heckenpflanze in deutschen Gärten. Im Herbst trägt sie glänzend schwarze Beeren, die Kinder anlocken. Die Beeren schmecken bitter und reizen Magen und Darm – ernste Vergiftungen sind selten.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Secoiridoid- und Phenylpropanglykoside |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Ligustrosid, Oleuropein, Syringin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung |
| Giftige Teile | alle, besonders die Beeren |
|---|---|
| Blüte | Juni bis Juli |
| Fruchtreife | September bis November, oft bis in den Winter |
| Standort | Hecken in Gärten und Parks, Waldränder, Gebüsche; kalkliebend |
Botanisches Profil
Zwei bis fünf Meter hoher, halbimmergrüner Strauch. Die Blätter stehen gegenständig, sind länglich-lanzettlich, ganzrandig und glänzend dunkelgrün. Im Frühsommer erscheinen cremeweiße, stark duftende Blüten in aufrechten Rispen. Daraus entstehen erbsengroße, glänzend schwarze Beeren in dichten Trauben.
| Merkmal | Liguster | Schwarzer Holunder |
|---|---|---|
| Blätter | ungeteilt, lanzettlich | gefiedert, 5–7 Blättchen |
| Fruchtstand | aufrechte, dichte Rispe | hängende, flache Dolde |
| Fruchtstiele | grün bis bräunlich | rot |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Blüten duften stark und werden von vielen Insekten besucht. Die Beeren bleiben bis in den Winter am Strauch und werden von Amseln und Drosseln gefressen, die die Samen verbreiten. Die Bitterstoffe schützen Blätter und Rinde vor Fraß.
Vom Molekül zum Symptom
Die Beeren enthalten bittere Secoiridoidglykoside wie Ligustrosid und Oleuropein, dazu weitere Glykoside. Sie reizen die Schleimhaut von Magen und Darm, der bittere Geschmack begrenzt meist die Menge. Oleuropein ist übrigens auch der Bitterstoff aus Olivenblättern – Liguster und Olive gehören zur selben Familie. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt verliefen von 640 Anfragen 568 ohne Beschwerden, nur drei mittelschwer und keine schwer.[1]
Klinisches Bild
- Nach wenigen Beeren
- meist keine Beschwerden
- Nach größeren Mengen
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Wendt S, Prasa D, Lübbert C, Begemann K, Franke H: Expositionen mit Fruchtpflanzen in Deutschland im Zeitraum 2010–2019. Bundesgesundheitsblatt 2023; 66: 1423–33.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Gewöhnlicher Wasserdost
Rosa Blütenstände, umschwärmt von Schmetterlingen. Er enthält dieselbe Giftgruppe wie das Jakobs-Greiskraut.

Italienischer Aronstab
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Kermesbeeren
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