Zwerg-Holunder
Auch Attich genannt. Er sieht aus wie Schwarzer Holunder, ist aber eine Staude, deren Blütenstände aufrecht stehen. Seine Beeren sind deutlich giftiger.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Lektine (Ribosomen-inaktivierende Proteine, Typ II); cyanogene Glykoside |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Ebulin · Sambunigrin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung, Mechanismus nicht vollständig geklärt |
| Giftige Teile | alle, besonders Beeren und Wurzel |
|---|---|
| Blüte | Juni bis August |
| Fruchtreife | August bis September |
| Standort | Waldlichtungen, Wegränder, Böschungen |
Botanisches Profil
Bis zwei Meter hohe Staude, die jedes Jahr neu austreibt und sich mit Ausläufern ausbreitet. Die Blätter sind gefiedert mit sieben bis elf lanzettlichen, gesägten Fiedern, mit auffälligen Nebenblättern am Grund. Weiße, rötlich überlaufene Blüten in aufrechten Schirmrispen, die nach Bittermandel riechen. Die schwarzen Beeren stehen aufrecht.
| Merkmal | Zwerg-Holunder | Schwarzer Holunder |
|---|---|---|
| Wuchs | Staude, im Winter oberirdisch abgestorben | Strauch oder Baum, verholzt |
| Fruchtstand | aufrecht | hängend |
| Nebenblätter | deutlich, blattartig | fehlen oder winzig |
| Grad | 2 | 1 |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Anders als der Schwarze Holunder ist der Zwerg-Holunder kein Strauch, sondern eine Staude, die jedes Jahr neu aus dem Wurzelstock austreibt. Mit seinen Ausläufern bildet er dichte Bestände. Die Beeren werden von Vögeln gefressen.
Vom Molekül zum Symptom
Wie genau die Beschwerden entstehen, ist nicht vollständig geklärt. Der Zwerg-Holunder enthält Ebulin, ein Eiweiß aus derselben Gruppe wie das Ricin des Wunderbaums. Ebulin ist aber viel weniger giftig, weil es kaum in die Zellen gelangt. Dazu kommen cyanogene Glykoside und weitere, schlecht untersuchte Stoffe.
Klinisches Bild
- Magen-Darm
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe
- Selten
- Schwindel, Benommenheit
Die Geschichte dahinter
Der Zwerg-Holunder heißt auch Attich. Aus den Beeren wurde früher Farbe für Leder und Haare gewonnen, und die Pflanze wurde als Abführmittel verwendet, mit entsprechenden Folgen bei falscher Menge.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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Berberitze
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