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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigNachtschattengewächse · Solanaceae

Gewöhnliche Blasenkirsche

Physalis alkekengi L.

Auch Lampionblume genannt: Im Herbst leuchten die orangeroten Kelchhüllen, beliebt für Trockensträuße. Giftig sind vor allem Blätter und unreife Beeren.

Gewöhnliche BlasenkirscheGewöhnliche Blasenkirsche
Orangerote, lampionartige Kelchhüllen, in denen die Beeren sitzen. Hortus medicus, Botanischer Garten Rombergpark Dortmund.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSESteroidlactone (Secosteroide)
HAUPTTOXINPhysaline
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung, Mechanismus kaum untersucht
Giftige TeileBlätter, Kelchhüllen und unreife Beeren
Reife Beeregilt als weitgehend unbedenklich, schmeckt aber bitter
BlüteMai bis August
FruchtreifeSeptember bis Oktober
428
Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Blasenkirsche angerufen. 93,2 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 2 (0,5 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Ausdauernde Staude, 25 bis 60 cm hoch, mit unterirdischen Ausläufern. Die Blätter sind eiförmig, oft paarweise. Die Blüten sind klein und grünlich-weiß. Nach der Blüte wächst der Kelch zu einer aufgeblasenen, orangeroten Hülle heran, in der eine kirschgroße, orangerote Beere sitzt.

MerkmalGewöhnliche BlasenkirschePeruanische Blasenkirsche (Physalis)
Kelchhülleleuchtend orangerotbeige bis bräunlich, papierartig
Beereorangerot, bittergelb-orange, süß-säuerlich, essbar
Bei unswinterharte GartenstaudeObst aus dem Supermarkt, nicht winterhart

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Der Kelch wächst nach der Blüte zu einer Hülle heran, die die Beere schützt. Im Winter zersetzt sich das Gewebe zwischen den Adern, übrig bleibt ein feines Netz, durch das die rote Beere sichtbar wird. Erst dann ist sie für Vögel gut zu erreichen.

Vom Molekül zum Symptom

Physaline sind ungewöhnlich gebaute Steroide, bei denen ein Ring des Grundgerüsts aufgebrochen ist. Verwandt sind sie mit den Withanoliden der Schlafbeere. Im Labor greifen sie in Entzündungs-Signalwege ein. Wie genau sie beim Menschen Magen und Darm reizen, ist nicht untersucht.

Schwere Vergiftungen sind nicht bekannt. Dass die Pflanze trotzdem im Lexikon steht, hat einen Grund: Die Lampions ziehen Kinder an, und Eltern fragen.

Klinisches Bild

  • Nach Blättern oder unreifen Beeren
    • Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: In der traditionellen chinesischen Medizin werden die Kelchhüllen gegen Halsentzündungen verwendet. Physaline werden als entzündungshemmende und krebshemmende Wirkstoffe erforscht, zugelassen ist bisher keiner.

Die Geschichte dahinter

Ihre Verwandte, die Peruanische Blasenkirsche oder Kapstachelbeere, liegt als essbare Physalis im Supermarkt. Gleiche Gattung, gleicher Lampion, aber nicht dieselbe Frucht.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Li AL, Chen BJ, Li GH, Zhou MX, Li YR, Ren DM, Lou HX, Wang XN, Shen T: Physalis alkekengi L. var. franchetii (Mast.) Makino: an ethnomedical, phytochemical and pharmacological review. Journal of Ethnopharmacology 2018; 210: 260–74.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.