Gewöhnliche Blasenkirsche
Auch Lampionblume genannt: Im Herbst leuchten die orangeroten Kelchhüllen, beliebt für Trockensträuße. Giftig sind vor allem Blätter und unreife Beeren.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Steroidlactone (Secosteroide) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Physaline |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung, Mechanismus kaum untersucht |
| Giftige Teile | Blätter, Kelchhüllen und unreife Beeren |
|---|---|
| Reife Beere | gilt als weitgehend unbedenklich, schmeckt aber bitter |
| Blüte | Mai bis August |
| Fruchtreife | September bis Oktober |
Botanisches Profil
Ausdauernde Staude, 25 bis 60 cm hoch, mit unterirdischen Ausläufern. Die Blätter sind eiförmig, oft paarweise. Die Blüten sind klein und grünlich-weiß. Nach der Blüte wächst der Kelch zu einer aufgeblasenen, orangeroten Hülle heran, in der eine kirschgroße, orangerote Beere sitzt.
| Merkmal | Gewöhnliche Blasenkirsche | Peruanische Blasenkirsche (Physalis) |
|---|---|---|
| Kelchhülle | leuchtend orangerot | beige bis bräunlich, papierartig |
| Beere | orangerot, bitter | gelb-orange, süß-säuerlich, essbar |
| Bei uns | winterharte Gartenstaude | Obst aus dem Supermarkt, nicht winterhart |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Der Kelch wächst nach der Blüte zu einer Hülle heran, die die Beere schützt. Im Winter zersetzt sich das Gewebe zwischen den Adern, übrig bleibt ein feines Netz, durch das die rote Beere sichtbar wird. Erst dann ist sie für Vögel gut zu erreichen.
Vom Molekül zum Symptom
Physaline sind ungewöhnlich gebaute Steroide, bei denen ein Ring des Grundgerüsts aufgebrochen ist. Verwandt sind sie mit den Withanoliden der Schlafbeere. Im Labor greifen sie in Entzündungs-Signalwege ein. Wie genau sie beim Menschen Magen und Darm reizen, ist nicht untersucht.
Schwere Vergiftungen sind nicht bekannt. Dass die Pflanze trotzdem im Lexikon steht, hat einen Grund: Die Lampions ziehen Kinder an, und Eltern fragen.
Klinisches Bild
- Nach Blättern oder unreifen Beeren
- Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Ihre Verwandte, die Peruanische Blasenkirsche oder Kapstachelbeere, liegt als essbare Physalis im Supermarkt. Gleiche Gattung, gleicher Lampion, aber nicht dieselbe Frucht.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Li AL, Chen BJ, Li GH, Zhou MX, Li YR, Ren DM, Lou HX, Wang XN, Shen T: Physalis alkekengi L. var. franchetii (Mast.) Makino: an ethnomedical, phytochemical and pharmacological review. Journal of Ethnopharmacology 2018; 210: 260–74.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

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Blau bereifte Beeren unter stacheligen Blättern. Gelbes Holz voller Berberin.

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