Gewöhnliche Mahonie
Ein immergrüner Strauch mit stachelig gezähnten, gefiederten Blättern, gelben Blüten im Frühjahr und blau bereiften Beeren. In Wurzel und Rinde steckt das gelbe Alkaloid Berberin.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Isochinolin-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Berberin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung in großen Mengen |
| Giftige Teile | Wurzel und Rinde; die Beeren gelten als kaum giftig |
|---|---|
| Blüte | April bis Mai |
| Fruchtreife | August bis September |
| Herkunft | westliches Nordamerika; bei uns Zierstrauch, verwildert |
Botanisches Profil
Bis 1,5 Meter hoher, immergrüner Strauch. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, die Fiedern ledrig, glänzend und stachelig gezähnt wie Stechpalmenblätter, im Herbst und Winter oft rötlich. Leuchtend gelbe Blüten in Trauben. Die Beeren sind blauschwarz und hell bereift. Holz und Wurzel sind innen leuchtend gelb.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Mahonie stammt aus dem Westen Nordamerikas und verwildert bei uns zunehmend, weil Vögel die Beeren fressen und die Samen verbreiten. Berberin färbt Holz und Wurzel leuchtend gelb und wirkt gegen Bakterien und Pilze.
Vom Molekül zum Symptom
Berberin ist ein gelbes, wasserlösliches Alkaloid, das sich an Erbgut und an viele Enzyme anlagert. Es wirkt gegen Bakterien und Pilze und reizt in größerer Menge den Magen-Darm-Trakt. Es wird aus dem Darm nur schlecht aufgenommen, deshalb bleiben ernsthafte Vergiftungen aus.
Klinisches Bild
- Nach Beeren
- meist keine Beschwerden
- Nach Rinde oder Wurzel in größerer Menge
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Benannt ist die Mahonie nach Bernard McMahon, einem Gärtner aus Philadelphia, der die Samen der Lewis-und-Clark-Expedition anbaute. Aus den Beeren lässt sich Gelee kochen, roh schmecken sie sauer.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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