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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigBerberitzengewächse · Berberidaceae

Gewöhnliche Mahonie

Mahonia aquifolium (Pursh) Nutt.

Ein immergrüner Strauch mit stachelig gezähnten, gefiederten Blättern, gelben Blüten im Frühjahr und blau bereiften Beeren. In Wurzel und Rinde steckt das gelbe Alkaloid Berberin.

Gewöhnliche MahonieGewöhnliche Mahonie
Blau bereifte Beeren zwischen gefiederten, stachelig gezähnten Blättern mit roter Herbstfärbung. Bochum-Linden.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEAlkaloide (Isochinolin-Typ)
HAUPTTOXINBerberin
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung in großen Mengen
Giftige TeileWurzel und Rinde; die Beeren gelten als kaum giftig
BlüteApril bis Mai
FruchtreifeAugust bis September
Herkunftwestliches Nordamerika; bei uns Zierstrauch, verwildert
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Mahonie angerufen. 91,6 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 4 (1,3 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Bis 1,5 Meter hoher, immergrüner Strauch. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, die Fiedern ledrig, glänzend und stachelig gezähnt wie Stechpalmenblätter, im Herbst und Winter oft rötlich. Leuchtend gelbe Blüten in Trauben. Die Beeren sind blauschwarz und hell bereift. Holz und Wurzel sind innen leuchtend gelb.

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Mahonie stammt aus dem Westen Nordamerikas und verwildert bei uns zunehmend, weil Vögel die Beeren fressen und die Samen verbreiten. Berberin färbt Holz und Wurzel leuchtend gelb und wirkt gegen Bakterien und Pilze.

Vom Molekül zum Symptom

Berberin ist ein gelbes, wasserlösliches Alkaloid, das sich an Erbgut und an viele Enzyme anlagert. Es wirkt gegen Bakterien und Pilze und reizt in größerer Menge den Magen-Darm-Trakt. Es wird aus dem Darm nur schlecht aufgenommen, deshalb bleiben ernsthafte Vergiftungen aus.

Klinisches Bild

  • Nach Beeren
    • meist keine Beschwerden
  • Nach Rinde oder Wurzel in größerer Menge
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Zubereitungen aus Mahonienrinde werden äußerlich bei Schuppenflechte eingesetzt. Berberin selbst wird als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet und in Studien unter anderem bei Stoffwechselstörungen untersucht.

Die Geschichte dahinter

Benannt ist die Mahonie nach Bernard McMahon, einem Gärtner aus Philadelphia, der die Samen der Lewis-und-Clark-Expedition anbaute. Aus den Beeren lässt sich Gelee kochen, roh schmecken sie sauer.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.