Weißer Germer
Eine kräftige Staude der Bergwiesen mit breiten, gefalteten Blättern. Sie gehört zu den giftigsten Pflanzen Mitteleuropas. Gefährlich wird sie vor allem, wenn ihr Wurzelstock mit dem des Gelben Enzians verwechselt wird.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Steroidalkaloide |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Veratrum-Alkaloide, darunter Protoveratrine und Jervin |
| WIRKTYP | Nervengift · Herzgift | hält Natriumkanäle offen |
| Giftige Teile | alle, besonders der Wurzelstock |
|---|---|
| Blüte | Juni bis August |
| Fruchtreife | August bis September |
| Standort | Bergwiesen und Almen der Alpen und Voralpen; bei uns in Botanischen Gärten |
Botanisches Profil
Ausdauernde Staude, 50 bis 150 Zentimeter hoch. Die Blätter sind breit-elliptisch, stark längs gefaltet und wechselständig angeordnet, die Nerven verlaufen parallel. Die Unterseite ist fein behaart. Im Sommer erscheinen weißlich-grüne Blüten in großen, aufrechten Rispen.
| Merkmal | Weißer Germer | Gelber Enzian |
|---|---|---|
| Blattstellung | wechselständig | gegenständig |
| Blattunterseite | fein behaart | kahl |
| Blüten | weißlich-grün, in Rispen | gelb, in Quirlen |
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Alkaloide schützen die Pflanze so wirksam vor Fraß, dass Weidetiere sie meist stehen lassen. Auf Almen bildet der Weiße Germer deshalb oft große Bestände, die übrig bleiben, wenn das Gras ringsum abgefressen ist.
Vom Molekül zum Symptom
Die Veratrum-Alkaloide verhindern, dass sich spannungsabhängige Natriumkanäle wieder schließen. Nerven- und Herzmuskelzellen bleiben dadurch anhaltend erregt.[1] Über Reflexe aus Herz und Lunge sinken Herzfrequenz und Blutdruck. Das Bild ähnelt der Vergiftung mit dem Blauen Eisenhut, der an denselben Kanälen angreift. Ein spezifisches Gegenmittel gibt es nicht; behandelt wird gegen die Beschwerden, bei langsamem Herzschlag etwa mit Atropin.[1]
Klinisches Bild
- Nach 15 bis 30 Minuten
- Brennen in Mund und Rachen
- wiederholtes Erbrechen, Durchfall
- Danach
- verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall
- Untertemperatur, Schwindel
- Bei schwerer Vergiftung
- Herzrhythmusstörungen
- Kreislaufversagen
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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Stachelige rote Kapseln, marmorierte Samen. Ihr Ricin legt die Eiweißfabriken der Zelle still.

Echte Tollkirsche
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Echter Seidelbast
Blüht duftend im Februar, noch vor den Blättern. Seine roten Beeren und die Rinde brennen wie Feuer.