Blauer Eisenhut
Er gilt als giftigste Pflanze Europas. Schon das Pflücken mit bloßen Händen kann Kribbeln und Taubheit auslösen, denn Aconitin geht durch die Haut.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Diterpen-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Aconitin |
| WIRKTYP | Neurotoxin · Cardiotoxin | Naᵥ-Kanal: Hemmung der Inaktivierung → Dauererregung |
| Giftige Teile | alle, besonders die Knolle; Aufnahme auch über die Haut |
|---|---|
| Blüte | Juni bis September |
| Standort | feuchte Hochstaudenfluren und Almen der Gebirge; häufig in Gärten |
| Schutz | in Deutschland besonders geschützt |
Botanisches Profil
Bis 1,5 Meter hohe Staude mit rübenförmiger Knolle. Die Blätter sind handförmig fünf- bis siebenteilig, die Abschnitte nochmals tief eingeschnitten. Die blauvioletten Blüten stehen in dichten Trauben, das obere Blütenblatt ist zu einem Helm geformt, der die beiden Nektarblätter verbirgt.
| Merkmal | Blauer Eisenhut | Rittersporn |
|---|---|---|
| Blüte | mit Helm nach oben | flach, mit Sporn nach hinten |
| Hauptgift | Aconitin | Methyllycaconitin |
| Wirkung | hält Natriumkanäle offen | blockiert den Acetylcholinrezeptor am Muskel |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Eisenhut wird fast nur von Hummeln bestäubt: Nur sie sind kräftig genug, unter den Helm zu kriechen, wo der Nektar sitzt. Der Eisenhut schützt Blätter und Knollen mit Aconitin vor Fraß. Weidetiere meiden ihn, und auf Almen bleibt er deshalb oft als einziges stehen.
Vom Molekül zum Symptom
Aconitin bindet an spannungsabhängige Natriumkanäle von Nerven- und Herzmuskelzellen. Normalerweise öffnen sie sich bei einem Signal kurz und schließen sich sofort wieder. Aconitin hindert sie am Schließen: Die Inaktivierung bleibt aus, Natrium strömt weiter ein, und die Zelle bleibt erregt.
An sensiblen Nerven erzeugt das zuerst Kribbeln, dann Taubheit. Am Herzen entstehen ungeordnete Zusatzschläge, die in Kammerflimmern übergehen können. Ein spezifisches Gegengift gibt es nicht, deshalb hängt das Überleben von der intensivmedizinischen Behandlung ab.
Klinisches Bild
- Rascher Beginn, Minuten bis eine Stunde
- Kribbeln und Taubheit in Mund, Gesicht und Fingern
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Kardiale Phase
- Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern
- Blutdruckabfall
- Neuromuskulär
- Muskelschwäche bis zur Atemlähmung
- bei erhaltenem Bewusstsein
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
In der griechischen Sage wächst der Eisenhut aus dem Geifer des Kerberos, des Höllenhunds, den Herakles aus der Unterwelt holt. Medea soll Theseus mit Eisenhut vergiften wollen. Im Mittelalter galt er als Pflanze der Giftmischer, und sein Gift wurde für Pfeile und Köder gegen Wölfe verwendet, daher der englische Name wolfsbane.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Chan TYK: Aconite poisoning. Clinical Toxicology 2009; 47: 279–85.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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