Echter Seidelbast
Ein kleiner Strauch lichter Laubwälder, der im Februar rosa und stark duftend blüht, noch vor den Blättern. Im Sommer folgen scharlachrote Beeren direkt am Zweig.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Diterpenester (Daphnan-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Mezerein · Daphnetoxin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Aktivierung der Proteinkinase C → starke Entzündung |
| Giftige Teile | alle, besonders Rinde und Samen |
|---|---|
| Blüte | Februar bis April |
| Fruchtreife | Juni bis August |
| Standort | lichte Laub- und Mischwälder, oft auf Kalk |
| Schutz | in Deutschland besonders geschützt |
Botanisches Profil
Bis ein Meter hoher, wenig verzweigter Strauch mit zäher, biegsamer Rinde. Die rosa bis purpurnen, vierzähligen Blüten sitzen dicht am Zweig und erscheinen vor dem Laub. Die länglichen Blätter stehen büschelig an den Triebspitzen. Die erbsengroßen, scharlachroten Beeren sitzen direkt am Holz.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Seidelbast blüht schon im Februar, wenn die ersten Insekten fliegen, und lockt sie mit starkem Duft. Die roten Beeren fressen Drosseln und andere Vögel, die die Samen verbreiten. Für Säugetiere dagegen ist die ganze Pflanze scharf und giftig.
Vom Molekül zum Symptom
Mezerein ähnelt in seiner Form einem körpereigenen Botenstoff, dem Diacylglycerin. Es aktiviert dadurch die Proteinkinase C, ein Schaltenzym, das in vielen Zellen Entzündungs- und Wachstumssignale auslöst. Anders als der körpereigene Botenstoff wird Mezerein nicht schnell abgebaut: Die Entzündung läuft ungebremst ab, auf Haut und Schleimhaut bis zur Blasenbildung.
Weil Mezerein Zellen dauerhaft zur Teilung anregt, wurde es in der Krebsforschung als sogenannter Tumorpromotor untersucht.
Klinisches Bild
- Haut
- Rötung, Brennen und Blasen nach Kontakt mit Rinde oder Saft
- Mund und Magen-Darm
- starkes Brennen, Schwellung von Lippen und Zunge
- Erbrechen, blutiger Durchfall
- Schwere Verläufe
- Kreislaufschwäche, Nierenschäden
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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