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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigKorbblütler · Asteraceae

Gewöhnlicher Wasserdost

Eupatorium cannabinum L.

Eine hohe Staude feuchter Waldränder und Ufer mit rosa Blütenständen, im Spätsommer voller Schmetterlinge. Sie enthält Pyrrolizidinalkaloide.

Gewöhnlicher WasserdostGewöhnlicher Wasserdost
Rosa Blütenstand aus vielen kleinen Körbchen mit herausragenden Griffeln. Bochum-Linden.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEAlkaloide (Pyrrolizidin-Typ)
HAUPTTOXINLycopsamin · Intermedin
WIRKTYPLebergift · Erbgutschädigend | Aktivierung in der Leber zu reaktiven Pyrrolen
Giftige Teilealle, besonders Blätter und Blüten
BlüteJuli bis September
StandortUfer, Gräben, feuchte Waldlichtungen

Botanisches Profil

Bis 1,5 Meter hohe Staude mit rötlich überlaufenem Stängel. Die gegenständigen Blätter sind drei- bis fünfteilig mit gesägten Abschnitten, ähnlich einem Hanfblatt, daher der Artname cannabinum. Viele kleine, rosa Blütenkörbchen in dichten, flachen Schirmrispen, aus denen die Griffel weit herausragen.

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Wasserdost ist eine der wichtigsten Nektarpflanzen des Spätsommers, besonders für Schmetterlinge. Die Pyrrolizidinalkaloide nutzen manche Schmetterlinge sogar gezielt: Männchen bestimmter Bärenspinner nehmen sie auf und bauen daraus Lockstoffe für die Weibchen.

Vom Molekül zum Symptom

Die Pyrrolizidinalkaloide werden wie beim Jakobs-Greiskraut erst in der Leber zu reaktiven Pyrrolen umgebaut, die Eiweiße und Erbgut schädigen. Eine Gefahr entsteht nicht durch Berühren oder eine einmalige kleine Menge, sondern durch regelmäßige Aufnahme, etwa als Tee.

Klinisches Bild

  • Akut
    • kaum Beschwerden
  • Chronisch, bei regelmäßiger Einnahme
    • Leberschäden durch Pyrrolizidinalkaloide

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain: Risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements. EFSA Journal 2017; 15: 4908.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.