Gewöhnlicher Wasserdost
Eine hohe Staude feuchter Waldränder und Ufer mit rosa Blütenständen, im Spätsommer voller Schmetterlinge. Sie enthält Pyrrolizidinalkaloide.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Pyrrolizidin-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Lycopsamin · Intermedin |
| WIRKTYP | Lebergift · Erbgutschädigend | Aktivierung in der Leber zu reaktiven Pyrrolen |
| Giftige Teile | alle, besonders Blätter und Blüten |
|---|---|
| Blüte | Juli bis September |
| Standort | Ufer, Gräben, feuchte Waldlichtungen |
Botanisches Profil
Bis 1,5 Meter hohe Staude mit rötlich überlaufenem Stängel. Die gegenständigen Blätter sind drei- bis fünfteilig mit gesägten Abschnitten, ähnlich einem Hanfblatt, daher der Artname cannabinum. Viele kleine, rosa Blütenkörbchen in dichten, flachen Schirmrispen, aus denen die Griffel weit herausragen.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Wasserdost ist eine der wichtigsten Nektarpflanzen des Spätsommers, besonders für Schmetterlinge. Die Pyrrolizidinalkaloide nutzen manche Schmetterlinge sogar gezielt: Männchen bestimmter Bärenspinner nehmen sie auf und bauen daraus Lockstoffe für die Weibchen.
Vom Molekül zum Symptom
Die Pyrrolizidinalkaloide werden wie beim Jakobs-Greiskraut erst in der Leber zu reaktiven Pyrrolen umgebaut, die Eiweiße und Erbgut schädigen. Eine Gefahr entsteht nicht durch Berühren oder eine einmalige kleine Menge, sondern durch regelmäßige Aufnahme, etwa als Tee.
Klinisches Bild
- Akut
- kaum Beschwerden
- Chronisch, bei regelmäßiger Einnahme
- Leberschäden durch Pyrrolizidinalkaloide
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain: Risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements. EFSA Journal 2017; 15: 4908.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Italienischer Aronstab
Leuchtend rote Beerenkolben im Herbst. Winzige Kristallnadeln brennen sofort im Mund.

Kermesbeeren
Glänzend schwarze Beeren an pinken Stielen. Am giftigsten ist die Wurzel.

Kleines Immergrün
Blauviolette Sternblüten über ledrigem Laub, ein beliebter Bodendecker. Seine Alkaloide wirken auf die Blutgefäße.