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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigAronstabgewächse · Araceae

Italienischer Aronstab

Arum italicum Mill.

Seine weiß geaderten, pfeilförmigen Blätter treiben schon im Herbst aus. Zur selben Zeit stehen leuchtend rote Beerenkolben am Boden, auffällig genug für Kinderhände.

Italienischer AronstabItalienischer Aronstab
Reifer, scharlachroter Beerenkolben zwischen weiß geaderten Blättern. Botanischer Garten der Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEOxalate (unlösliche Kristallnadeln)
HAUPTTOXINCalciumoxalat-Raphiden
WIRKTYPGewebsreizung | Kristallnadeln verletzen die Schleimhaut, Reizstoffe dringen ein
Giftige Teilealle, besonders Beeren und Knolle
BlüteApril bis Mai
FruchtreifeJuli bis Oktober
HerkunftMittelmeerraum und Westeuropa; bei uns als Zierpflanze, stellenweise verwildert
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Aronstab angerufen. 45,2 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 6 (3,2 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Ausdauernde Knollenpflanze. Die pfeil- bis spießförmigen Blätter treiben im Herbst aus und überwintern grün, sie sind auffällig weiß bis cremegelb geadert. Im Frühjahr umhüllt ein blassgrünes Hochblatt einen gelblichen Kolben. Bis zum Sommer zieht das Laub ein, übrig bleibt ein Stiel mit dicht gedrängten, erst grünen, dann scharlachroten Beeren.

MerkmalItalienischer AronstabGefleckter Aronstab
Blätterweiß geadert, treiben im Herbst ausohne helle Adern, oft dunkel gefleckt, treiben im Frühjahr aus
Kolbengelblichmeist purpurbraun
VorkommenGärten, stellenweise verwildertheimisch in Laubwäldern

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Kristallnadeln schützen Knolle und Blätter vor Fraß. Die Beeren reifen dagegen leuchtend rot und gut sichtbar für Vögel, die die Samen verbreiten. Schon die Blüte ist eine Falle: Der Kolben erwärmt sich, verströmt einen fauligen Geruch und lockt so kleine Fliegen an, die ihn bestäuben.

Vom Molekül zum Symptom

In spezialisierten Zellen, den Idioblasten, liegen Bündel nadelförmiger Calciumoxalat-Kristalle, die Raphiden. Wird das Gewebe zerkaut, schießen die Nadeln heraus und stechen in die Schleimhaut. Durch die winzigen Verletzungen dringen weitere Reizstoffe der Pflanze ein. Die Folge sind ein sofortiger, brennender Schmerz und eine Schwellung.

Weil der Schmerz sofort einsetzt, bleibt es meist bei einer Kostprobe, das schützt vor größeren Mengen. Gefährlich wird es vor allem, wenn eine starke Schwellung im Rachen die Atemwege einengt.

Klinisches Bild

  • Sofort
    • Brennen und Stechen in Mund und Rachen
    • Schwellung von Lippen, Zunge und Schleimhaut
    • Speichelfluss, Schluckbeschwerden
  • Danach
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Haut und Auge
    • Pflanzensaft reizt die Haut, im Auge schmerzhafte Bindehautreizung

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Franceschi VR, Nakata PA: Calcium oxalate in plants: formation and function. Annual Review of Plant Biology 2005; 56: 41–71.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.