Jakobs-Greiskraut
Gelb blühend an Straßenrändern, auf Brachen und Weiden, vielerorts in Ausbreitung. Gefährlich ist es weniger durch eine einzelne Mahlzeit als durch kleine Mengen über lange Zeit.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Pyrrolizidin-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Senecionin · Jacobin · Seneciphyllin |
| WIRKTYP | Lebergift · Erbgutschädigend | Aktivierung in der Leber zu reaktiven Pyrrolen → Vernetzung von Erbgut und Eiweißen |
| Giftige Teile | alle, besonders die Blüten; auch getrocknet in Heu und Silage |
|---|---|
| Blüte | Juni bis Oktober |
| Standort | Weiden, Wegränder, Böschungen, Brachen |
Botanisches Profil
Zwei- bis mehrjährige Staude, 30 bis 100 cm hoch. Im ersten Jahr bildet sie nur eine Blattrosette, im zweiten einen verzweigten Stängel. Die Blätter sind fiederteilig mit krausen Abschnitten. Viele gelbe Blütenkörbchen in einer flachen Doldenrispe, meist mit 13 Zungenblüten; die Hüllblätter tragen eine schwarze Spitze.
| Merkmal | Jakobs-Greiskraut | Rainfarn |
|---|---|---|
| Blütenkörbchen | mit gelben Zungenblüten (Strahlen) | knopfförmig, ohne Zungenblüten |
| Blätter | fiederteilig, kraus | regelmäßig gefiedert, gesägt |
| Geruch beim Zerreiben | unangenehm | stark würzig |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Frisch auf der Weide meiden Pferde und Rinder die bitter schmeckende Pflanze meist. Ein Spezialist hat den Spieß umgedreht: Die schwarz-gelb geringelten Raupen des Jakobskrautbären fressen die Pflanze, lagern die Alkaloide in ihrem Körper ein und sind dadurch selbst für Vögel ungenießbar. Ihre Warnfarbe zeigt das an.
Vom Molekül zum Symptom
Die Alkaloide selbst sind zunächst wenig giftig. Erst in der Leber wandeln Cytochrom-P450-Enzyme sie in reaktive Pyrrol-Verbindungen um. Diese reagieren sofort mit Eiweißen und Erbgut in ihrer Umgebung, also in den Leberzellen und in der Auskleidung der feinen Lebergefäße. Die Gefäße verschließen sich, Lebergewebe geht zugrunde und vernarbt.
Weil sich die Schäden summieren, ist nicht die einzelne Dosis entscheidend, sondern die Summe über die Zeit. Die Wirkung auf das Erbgut macht diese Alkaloide zusätzlich krebserregend.
Klinisches Bild
- Akut
- beim Menschen durch die Pflanze selbst selten
- Chronisch, über Wochen bis Monate
- Bauchschmerzen, Bauchwasser
- vergrößerte Leber
- Verschluss der kleinen Lebervenen
- Leberzirrhose
- Bei Weidetieren
- Pferde und Rinder: chronische Leberschäden, Abmagerung
- Verhaltensstörungen durch Leberversagen
Gift im Lebensmittel
Die Geschichte dahinter
Der Name verweist auf den Jakobstag am 25. Juli, um den die Pflanze zu blühen beginnt. In der Tiermedizin ist die chronische Vergiftung von Pferden als Schweinsberger Krankheit bekannt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain: Risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements. EFSA Journal 2017; 15: 4908.
- Fu PP, Xia Q, Lin G, Chou MW: Pyrrolizidine alkaloids – genotoxicity, metabolism enzymes, metabolic activation, and mechanisms. Drug Metabolism Reviews 2004; 36: 1–55.
- Verordnung (EU) 2020/2040 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in bestimmten Lebensmitteln.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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