Kermesbeeren
Kräftige Stauden mit langen Trauben aus glänzend schwarzen Beeren an pinken Stielen. Bei uns wachsen vor allem zwei Arten, die Amerikanische und die Indische Kermesbeere. Am giftigsten ist bei beiden die Wurzel.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Saponine (Triterpen-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Phytolaccoside (Triterpensaponine) |
| WIRKTYP | Membrantoxin | Schleimhautreizung im Magen-Darm-Trakt |
| Giftige Teile | alle, besonders die Wurzel, weniger die Beeren |
|---|---|
| Blüte | Juni bis September |
| Fruchtreife | August bis Oktober |
| Herkunft | Nordamerika (Amerikanische) und Ostasien (Indische); bei uns Zierpflanzen, verwildert |
Botanisches Profil
Kräftige, kahle Stauden mit dicker, rübenförmiger Wurzel, oft rötlichen Stängeln und großen, ganzrandigen, elliptischen Blättern. Weiße bis rosa Blüten in langen Trauben. Daraus entstehen glänzend schwarze, abgeflachte Beeren mit tiefrotem Saft. Die beiden Arten unterscheiden sich vor allem am Fruchtstand.
| Merkmal | Amerikanische Kermesbeere | Indische Kermesbeere |
|---|---|---|
| Fruchtstand | überhängend | aufrecht |
| Beeren | glatt, kaum gerippt | deutlich gerippt |
| Höhe | 1 bis 3 m | 1 bis 2 m |
| Wissenschaftlich | Phytolacca americana | Phytolacca esculenta |



Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Beeren werden von Vögeln gefressen, die die Samen verbreiten, auch in Wälder. Vor allem die Amerikanische Kermesbeere breitet sich dort als Neophyt aus und verdrängt die Krautschicht. Die Saponine schützen besonders die mehrjährige Wurzel, aus der die Pflanze jedes Frühjahr neu austreibt.
Vom Molekül zum Symptom
Die Phytolaccoside sind Triterpensaponine. Wie Seife lagern sie sich an das Cholesterin der Zellmembranen und machen sie durchlässig. Aus dem Darm werden sie kaum aufgenommen, deshalb reizen sie vor allem die Schleimhaut von Magen und Darm, dafür aber heftig.
Daneben enthalten Kermesbeeren Eiweiße, sogenannte Lektine, die an Immunzellen binden und sie zur Teilung anregen. Untersucht ist das vor allem bei der Amerikanischen Kermesbeere. Für die Vergiftung durch Verschlucken spielen diese Eiweiße eine geringere Rolle als die Saponine. Verwechselt wird die Wurzel gelegentlich mit Meerrettich oder Pastinake.
Klinisches Bild
- Nach einigen Stunden
- heftiges Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe
- Bei größeren Mengen, vor allem der Wurzel
- Schwindel, Blutdruckabfall, Herzrasen
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Kleines Immergrün
Blauviolette Sternblüten über ledrigem Laub, ein beliebter Bodendecker. Seine Alkaloide wirken auf die Blutgefäße.

Kreuzblättrige Wolfsmilch
Blätter streng über Kreuz, blaugrün mit weißer Mittelrippe. Ihr Milchsaft verätzt Haut und Augen.

Rainfarn
Gelbe Knöpfe ohne Blütenblätter und ein strenger Geruch nach Kampfer. Früher ein Wurmmittel – sein Öl kann Krämpfe auslösen.