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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigHundsgiftgewächse · Apocynaceae

Kleines Immergrün

Vinca minor L.

Ein kriechender Bodendecker mit ledrigen Blättern und blauvioletten Blüten im Frühjahr. In Gärten und Parks ist er allgegenwärtig. Seine Alkaloide wirken auf Blutgefäße und Kreislauf.

Kleines ImmergrünKleines Immergrün
Blauviolette, fünfzählige Blüten zwischen ledrigen, gegenständigen Blättern, daneben Efeu und Falllaub. Bochum-Linden.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEIndolalkaloide
HAUPTTOXINVincamin und weitere Alkaloide
WIRKTYPKreislaufwirkung | Gefäßerweiterung, Blutdruckabfall
Giftige Teilealle
BlüteMärz bis Mai
Fruchtreifeselten, im Sommer
StandortLaubwälder, Parks, Friedhöfe; häufiger Bodendecker

Botanisches Profil

Immergrüner Halbstrauch mit niederliegenden, an den Knoten wurzelnden Trieben. Die Blätter stehen gegenständig, sind lanzettlich bis elliptisch, ledrig und glänzend. Die Blüten stehen einzeln, sind blauviolett und fünfzählig, die Kronzipfel wirken schief abgeschnitten wie bei einem Windrad.

Wozu die Pflanze das Gift hat

Das Kleine Immergrün breitet sich vor allem über kriechende Triebe aus, die an den Knoten wurzeln. Früchte bildet es bei uns nur selten. Die Alkaloide schützen das ganzjährig grüne Laub vor Fraß.

Vom Molekül zum Symptom

Das wichtigste Alkaloid, Vincamin, erweitert Blutgefäße, besonders im Gehirn, und kann den Blutdruck senken. Aus ihm wurde der Arzneistoff Vinpocetin abgeleitet. Vergiftungen durch die Pflanze selbst sind selten, weil kaum jemand größere Mengen davon isst.

Klinisches Bild

  • Nach Aufnahme kleinerer Mengen
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Bei größeren Mengen
    • Blutdruckabfall, Schwindel

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Die bekannten Krebsmittel Vincristin und Vinblastin stammen nicht aus dem Kleinen Immergrün, sondern aus dem Madagaskar-Immergrün Catharanthus roseus, einem Verwandten aus derselben Familie.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.