Kleines Immergrün
Ein kriechender Bodendecker mit ledrigen Blättern und blauvioletten Blüten im Frühjahr. In Gärten und Parks ist er allgegenwärtig. Seine Alkaloide wirken auf Blutgefäße und Kreislauf.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Indolalkaloide |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Vincamin und weitere Alkaloide |
| WIRKTYP | Kreislaufwirkung | Gefäßerweiterung, Blutdruckabfall |
| Giftige Teile | alle |
|---|---|
| Blüte | März bis Mai |
| Fruchtreife | selten, im Sommer |
| Standort | Laubwälder, Parks, Friedhöfe; häufiger Bodendecker |
Botanisches Profil
Immergrüner Halbstrauch mit niederliegenden, an den Knoten wurzelnden Trieben. Die Blätter stehen gegenständig, sind lanzettlich bis elliptisch, ledrig und glänzend. Die Blüten stehen einzeln, sind blauviolett und fünfzählig, die Kronzipfel wirken schief abgeschnitten wie bei einem Windrad.
Wozu die Pflanze das Gift hat
Das Kleine Immergrün breitet sich vor allem über kriechende Triebe aus, die an den Knoten wurzeln. Früchte bildet es bei uns nur selten. Die Alkaloide schützen das ganzjährig grüne Laub vor Fraß.
Vom Molekül zum Symptom
Das wichtigste Alkaloid, Vincamin, erweitert Blutgefäße, besonders im Gehirn, und kann den Blutdruck senken. Aus ihm wurde der Arzneistoff Vinpocetin abgeleitet. Vergiftungen durch die Pflanze selbst sind selten, weil kaum jemand größere Mengen davon isst.
Klinisches Bild
- Nach Aufnahme kleinerer Mengen
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Bei größeren Mengen
- Blutdruckabfall, Schwindel
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Kreuzblättrige Wolfsmilch
Blätter streng über Kreuz, blaugrün mit weißer Mittelrippe. Ihr Milchsaft verätzt Haut und Augen.

Rainfarn
Gelbe Knöpfe ohne Blütenblätter und ein strenger Geruch nach Kampfer. Früher ein Wurmmittel – sein Öl kann Krämpfe auslösen.

Schachblume
Nickende Glocken mit Schachbrettmuster. Selten, streng geschützt – und in allen Teilen giftig.