Vogel-Kirsche
Die Wildform der Süßkirsche wächst in Laubwäldern und an Waldrändern. Das Fruchtfleisch ist essbar. Die Samen im Kern enthalten cyanogene Glykoside – entscheidend ist, ob Kerne zerbissen wurden.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Cyanogene Glykoside |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Amygdalin (Samen), Prunasin (Blätter, Rinde) |
| WIRKTYP | Zellgift | nur bei zerbissenen Kernen relevant |
| Giftige Teile | Samen im Kern, Blätter, Rinde; Fruchtfleisch essbar |
|---|---|
| Blüte | April bis Mai |
| Fruchtreife | Juni bis Juli |
| Standort | Laubwälder, Waldränder, Hecken; Stammform der Süßkirsche |
Botanisches Profil
Baum bis 20 Meter mit glänzender, rotbrauner Ringelborke, die sich in waagerechten Streifen ablöst. Die Blätter sind länglich-eiförmig, doppelt gesägt, am Stiel mit zwei kleinen Drüsen. Die weißen Blüten stehen langgestielt in Büscheln und erscheinen gleichzeitig mit dem Laub. Die Früchte sind kleiner als Gartenkirschen, rot bis schwarzrot und süß bis bitter.
Wozu die Pflanze das Gift hat
Der Name sagt es: Amseln, Drosseln und Stare fressen die Kirschen und verbreiten die Kerne. Für sie sind die Kerne kein Problem, weil sie unzerkaut wieder ausgeschieden werden – genau so, wie die Pflanze es „vorgesehen“ hat.
Vom Molekül zum Symptom
Wie bei Kirschlorbeer und Zwergmispel wird aus den cyanogenen Glykosiden erst Blausäure, wenn das Gewebe zerstört wird. Die harte Steinschale schützt den Samen; ganz geschluckte Kerne passieren den Darm unverändert.[1] Mehr zu cyanogenen Glykosiden →
Klinisches Bild
- Nach verschluckten, ganzen Kernen
- keine Beschwerden
- Nach vielen zerbissenen Kernen
- Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Vetter J: Plant cyanogenic glycosides. Toxicon 2000; 38: 11–36.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Weitere Einträge

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Leuchtend orangerote Beeren, die als giftig gelten. Das ist weitgehend ein Mythos: Roh reizen sie den Magen, gekocht werden sie zu Marmelade.

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