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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigRosengewächse · Rosaceae

Vogel-Kirsche

Prunus avium (L.) L.

Die Wildform der Süßkirsche wächst in Laubwäldern und an Waldrändern. Das Fruchtfleisch ist essbar. Die Samen im Kern enthalten cyanogene Glykoside – entscheidend ist, ob Kerne zerbissen wurden.

Vogel-KirscheVogel-Kirsche
Weiße, langgestielte Blüten in Büscheln am Kurztrieb, daneben junge, gesägte Blätter, die zur Blütezeit austreiben. Dürertal, Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSECyanogene Glykoside
HAUPTTOXINAmygdalin (Samen), Prunasin (Blätter, Rinde)
WIRKTYPZellgift | nur bei zerbissenen Kernen relevant
Giftige TeileSamen im Kern, Blätter, Rinde; Fruchtfleisch essbar
BlüteApril bis Mai
FruchtreifeJuni bis Juli
StandortLaubwälder, Waldränder, Hecken; Stammform der Süßkirsche

Botanisches Profil

Baum bis 20 Meter mit glänzender, rotbrauner Ringelborke, die sich in waagerechten Streifen ablöst. Die Blätter sind länglich-eiförmig, doppelt gesägt, am Stiel mit zwei kleinen Drüsen. Die weißen Blüten stehen langgestielt in Büscheln und erscheinen gleichzeitig mit dem Laub. Die Früchte sind kleiner als Gartenkirschen, rot bis schwarzrot und süß bis bitter.

Wozu die Pflanze das Gift hat

Der Name sagt es: Amseln, Drosseln und Stare fressen die Kirschen und verbreiten die Kerne. Für sie sind die Kerne kein Problem, weil sie unzerkaut wieder ausgeschieden werden – genau so, wie die Pflanze es „vorgesehen“ hat.

Vom Molekül zum Symptom

Wie bei Kirschlorbeer und Zwergmispel wird aus den cyanogenen Glykosiden erst Blausäure, wenn das Gewebe zerstört wird. Die harte Steinschale schützt den Samen; ganz geschluckte Kerne passieren den Darm unverändert.[1] Mehr zu cyanogenen Glykosiden →

Klinisches Bild

  • Nach verschluckten, ganzen Kernen
    • keine Beschwerden
  • Nach vielen zerbissenen Kernen
    • Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Vetter J: Plant cyanogenic glycosides. Toxicon 2000; 38: 11–36.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.