Gewöhnliche Zwergmispel
Zwergmispeln sind beliebte Garten- und Bodendeckersträucher mit kleinen roten Früchten. Sie werden beim Giftnotruf häufig angefragt. Die Verläufe sind aber fast immer harmlos.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Cyanogene Glykoside |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Prunasin, Amygdalin (in den Samen) |
| WIRKTYP | Reizstoff | allenfalls leichte Magen-Darm-Reizung |
| Giftige Teile | vor allem die Samen; Fruchtfleisch kaum bedenklich |
|---|---|
| Blüte | April bis Mai |
| Fruchtreife | August bis Oktober |
| Standort | Felsen und Gebüsche; viele verwandte Arten in Gärten und Parks |
Botanisches Profil
Sommergrüner Strauch, bis etwa zwei Meter hoch. Die Blätter sind breit eiförmig, ganzrandig, oben kahl und unten graufilzig. Die kleinen, rosa angehauchten Blüten hängen zu wenigen in den Blattachseln. Daraus entstehen rote, kugelige Früchte an langen Stielen.
| Merkmal | Zwergmispel | Feuerdorn |
|---|---|---|
| Dornen | nein | ja |
| Blattrand | ganzrandig | fein gesägt |
| Früchte | einzeln oder wenige | in dichten Büscheln |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Früchte sind Nahrung für Vögel, die die Samen verbreiten. Die cyanogenen Glykoside sitzen vor allem in den Samen und schützen sie, bis ein Vogel sie unzerkaut weiterträgt.
Vom Molekül zum Symptom
Wie viele Rosengewächse enthalten die Samen cyanogene Glykoside, aus denen beim Zerkauen Blausäure entstehen kann. Die Mengen in den kleinen Samen sind aber gering. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt verliefen von 224 Anfragen zur Gattung Zwergmispel 200 ohne Beschwerden, fünf mittelschwer und keine schwer.[1] Mehr zu cyanogenen Glykosiden →
Klinisches Bild
- Nach einigen Früchten
- meist keine Beschwerden
- Nach größeren Mengen
- Übelkeit, Bauchschmerzen
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Wendt S, Prasa D, Lübbert C, Begemann K, Franke H: Expositionen mit Fruchtpflanzen in Deutschland im Zeitraum 2010–2019. Bundesgesundheitsblatt 2023; 66: 1423–33.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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