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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigRosengewächse · Rosaceae

Gewöhnliche Zwergmispel

Cotoneaster integerrimus Medik.

Zwergmispeln sind beliebte Garten- und Bodendeckersträucher mit kleinen roten Früchten. Sie werden beim Giftnotruf häufig angefragt. Die Verläufe sind aber fast immer harmlos.

Gewöhnliche ZwergmispelGewöhnliche Zwergmispel
Kugelige, rote Früchte an langen Stielen zwischen eiförmigen Blättern. Duisburg.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSECyanogene Glykoside
HAUPTTOXINPrunasin, Amygdalin (in den Samen)
WIRKTYPReizstoff | allenfalls leichte Magen-Darm-Reizung
Giftige Teilevor allem die Samen; Fruchtfleisch kaum bedenklich
BlüteApril bis Mai
FruchtreifeAugust bis Oktober
StandortFelsen und Gebüsche; viele verwandte Arten in Gärten und Parks
224
Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Zwergmispel angerufen. 89,3 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 5 (2,2 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Sommergrüner Strauch, bis etwa zwei Meter hoch. Die Blätter sind breit eiförmig, ganzrandig, oben kahl und unten graufilzig. Die kleinen, rosa angehauchten Blüten hängen zu wenigen in den Blattachseln. Daraus entstehen rote, kugelige Früchte an langen Stielen.

MerkmalZwergmispelFeuerdorn
Dornenneinja
Blattrandganzrandigfein gesägt
Früchteeinzeln oder wenigein dichten Büscheln

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Früchte sind Nahrung für Vögel, die die Samen verbreiten. Die cyanogenen Glykoside sitzen vor allem in den Samen und schützen sie, bis ein Vogel sie unzerkaut weiterträgt.

Vom Molekül zum Symptom

Wie viele Rosengewächse enthalten die Samen cyanogene Glykoside, aus denen beim Zerkauen Blausäure entstehen kann. Die Mengen in den kleinen Samen sind aber gering. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt verliefen von 224 Anfragen zur Gattung Zwergmispel 200 ohne Beschwerden, fünf mittelschwer und keine schwer.[1] Mehr zu cyanogenen Glykosiden →

Klinisches Bild

  • Nach einigen Früchten
    • meist keine Beschwerden
  • Nach größeren Mengen
    • Übelkeit, Bauchschmerzen

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Wendt S, Prasa D, Lübbert C, Begemann K, Franke H: Expositionen mit Fruchtpflanzen in Deutschland im Zeitraum 2010–2019. Bundesgesundheitsblatt 2023; 66: 1423–33.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.