← Lexikon

★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigGeißblattgewächse · Caprifoliaceae

Weiße Schneebeere

Symphoricarpos albus (L.) S.F. Blake

Weiße, kugelige Beeren, die beim Zertreten knallen – daher der Name Knallerbse. Kinder greifen oft danach, ernste Vergiftungen sind aber nicht zu erwarten. Größere Mengen reizen Magen und Darm.

Weiße SchneebeereWeiße Schneebeere
Weiße, kugelige Beeren und kleinere, noch grüne Früchte an einem Zweig mit gegenständigen, rundlich-ovalen Blättern.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSESaponine (vermutet)
HAUPTTOXINnicht abschließend geklärt; Saponine werden diskutiert
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung
Giftige TeileBeeren, Rinde und Wurzel
BlüteJuni bis August
Fruchtreifeab August, oft bis in den Winter
HerkunftNordamerika; bei uns Zierstrauch, vielerorts verwildert
206
Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Schneebeere angerufen. 76,7 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, mittelschwere oder schwere Verläufe gab es keine. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Ein bis zwei Meter hoher, sommergrüner Strauch mit bogig überhängenden Zweigen. Die Blätter stehen gegenständig, sind rundlich-oval und blaugrün. Die kleinen, rosa Glockenblüten fallen kaum auf. Umso auffälliger sind die reinweißen, kugeligen Beeren bis etwa einen Zentimeter Durchmesser, die in dichten Büscheln bis in den Winter hängen.

Wozu die Pflanze das Gift hat

Welche Stoffe die Pflanze genau schützen, ist nicht abschließend geklärt. Die weißen Beeren bleiben bis in den Winter am Strauch und dienen Vögeln dann als Notnahrung. Die kleinen Blüten werden von Bienen und Hummeln besucht.

Vom Molekül zum Symptom

Welche Stoffe die Beschwerden genau auslösen, ist schlecht untersucht. Diskutiert werden Saponine, die die Schleimhaut von Magen und Darm reizen. Aus dem Darm werden sie nur schlecht aufgenommen, deshalb bleibt es in aller Regel bei Magen-Darm-Beschwerden. Weil Kinder die Beeren gern aufheben, gehört die Schneebeere trotzdem regelmäßig zu den häufig gemeldeten Pflanzen: In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt war sie 2007 unter den zehn am häufigsten gemeldeten Pflanzengattungen.[1]

Klinisches Bild

  • Nach wenigen Beeren
    • meist keine oder leichte Beschwerden
  • Nach größeren Mengen
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Plenert B, Prasa D, Hentschel H, Deters M: Plant exposures reported to the Poisons Information Centre Erfurt from 2001–2010. Planta Medica 2012; 78: 401–8.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.