Stinkende Nieswurz
Eine immergrüne Staude mit dunklen, fingerförmig geteilten Blättern, die schon im Februar blüht. Wie alle Nieswurz-Arten ist sie giftig, ihre bekannteste Verwandte ist die Christrose.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Saponine; Lactone (aus Ranunculin) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Saponine · Protoanemonin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Haut- und Schleimhautreizung |
| Giftige Teile | alle, besonders der Wurzelstock |
|---|---|
| Blüte | Februar bis April |
| Standort | lichte Wälder und Gebüsche auf Kalk; häufig in Gärten |
Botanisches Profil
Immergrüne Staude, 30 bis 80 cm hoch. Die Blätter sind fußförmig in sieben bis elf schmale, gesägte, dunkelgrüne Abschnitte geteilt. Die nickenden, glockigen Blüten sind hellgrün, oft mit rotbraunem Rand. Zerriebene Blätter riechen unangenehm, daher der Name.
| Merkmal | Stinkende Nieswurz | Christrose |
|---|---|---|
| Blätter | schmal, sieben bis elf Abschnitte | breiter, ledrig, meist sieben bis neun Abschnitte |
| Blüte | hellgrün, glockig, viele pro Stängel | weiß, flach geöffnet, einzeln |
| Herzglykoside | Gehalt umstritten | Bufadienolide, u. a. Hellebrin |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Stinkende Nieswurz blüht mitten im Winter, wenn kaum Bestäuber unterwegs sind. Hefen, die in ihrem Nektar leben, setzen dabei Wärme frei und heizen die Blüten messbar auf. Das macht sie für die wenigen früh fliegenden Hummeln attraktiver. Die Samen tragen ein nährstoffreiches Anhängsel und werden von Ameisen verbreitet.
Vom Molekül zum Symptom
Wie bei Hahnenfuß und Waldrebe entsteht beim Verletzen der Pflanze aus dem Glykosid Ranunculin das scharfe Protoanemonin. Es reagiert mit Eiweißen und reizt Haut und Schleimhaut. Dazu kommen Saponine, die die Darmschleimhaut angreifen.
Andere Nieswurz-Arten, vor allem die Christrose, enthalten zusätzlich Herzglykoside vom Bufadienolid-Typ. Sie hemmen wie das Digoxin des Fingerhuts die Natrium-Kalium-ATPase. Ob die Stinkende Nieswurz nennenswerte Mengen davon enthält, ist in der Literatur umstritten. Eingestuft ist die Gattung nach ihrer giftigsten Art.
Klinisches Bild
- Mund und Magen-Darm
- Brennen im Mund, Speichelfluss
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Haut
- Rötung und Blasen nach Kontakt mit dem Pflanzensaft
- Bei Arten mit Herzglykosiden
- Herzrhythmusstörungen möglich
Die Geschichte dahinter
Der Name kommt vom Pulver der getrockneten Wurzel, das als Niespulver verwendet wurde. Nieswurz galt in der Antike als Mittel gegen Wahnsinn. Der Überlieferung nach vergifteten Griechen um 590 v. Chr. bei der Belagerung der Stadt Kirrha das Trinkwasser mit Nieswurz, eine der frühesten beschriebenen Giftattacken.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Herrera CM, Pozo MI: Nectar yeasts warm the flowers of a winter-blooming plant. Proceedings of the Royal Society B 2010; 277: 1827–34.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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