Weiße Schwalbenwurz
Eine unauffällige Staude sonniger Kalkhänge mit kleinen, weißen Sternblüten und schotenartigen Früchten. Ihre Inhaltsstoffe sind erstaunlich wenig untersucht.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Steroidglykoside; Alkaloide (Phenanthroindolizidin-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Vincetoxin (Glykosid-Gemisch) · Antofin |
| WIRKTYP | Reizstoff · Cytotoxin | Magen-Darm-Reizung; Hemmung der Proteinbiosynthese im Labor |
| Giftige Teile | alle, besonders der Wurzelstock |
|---|---|
| Blüte | Mai bis August |
| Standort | sonnige, trockene Hänge, lichte Wälder und Felsen, meist auf Kalk |
Botanisches Profil
Ausdauernde Staude, 30 bis 120 cm hoch, mit aufrechten, unverzweigten Stängeln. Die Blätter stehen gegenständig, sind herz-eiförmig und zugespitzt. Kleine, weiße bis gelblich-weiße Sternblüten in Büscheln in den Blattachseln. Die Früchte sind spindelförmige Balgfrüchte, vier bis sechs Zentimeter lang, mit Samen, die einen seidigen Haarschopf tragen.


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Blüten arbeiten mit einem Klemmmechanismus: Der Pollen ist zu kleinen Paketen verklebt, den Pollinien, die sich wie Klammern an den Beinen besuchender Insekten festsetzen. Die Samen tragen einen seidigen Haarschopf und fliegen mit dem Wind davon.
Vom Molekül zum Symptom
Unter dem alten Namen Vincetoxin wurde ein Gemisch von Steroidglykosiden zusammengefasst, die die Schleimhaut von Magen und Darm reizen. Daneben enthält die Schwalbenwurz Phenanthroindolizidin-Alkaloide wie Antofin. Im Labor hemmen sie die Proteinbiosynthese und töten Zellen schon in sehr geringer Konzentration ab.
Welchen Anteil die einzelnen Stoffe an einer Vergiftung haben, ist kaum untersucht. Ehrlich gesagt: Für eine so verbreitete Pflanze wissen wir erstaunlich wenig.
Klinisches Bild
- Magen-Darm
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Bei größeren Mengen
- Kreislaufbeschwerden
- Hinweis
- Vergiftungen beim Menschen sind selten beschrieben, eher bei Weidetieren
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Vincetoxicum bedeutet „Giftbesiegerin“. Im Mittelalter galt die Wurzel als Gegengift gegen Schlangenbisse und Vergiftungen. Eine giftige Pflanze als Gegengift: Daran zeigt sich, wie die Medizin früher oft funktionierte.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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