Abendländischer Lebensbaum
Als Thuja-Hecke in unzähligen Vorgärten. Zweige und Zapfen enthalten ein ätherisches Öl mit Thujon, das in größeren Mengen Krämpfe auslösen kann.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Terpene (Monoterpen-Ketone, ätherisches Öl) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Thujon (α- und β-Thujon) |
| WIRKTYP | Neurotoxin | Hemmung des GABA-A-Rezeptors → Übererregung |
| Giftige Teile | Zweigspitzen und Zapfen, besonders das ätherische Öl |
|---|---|
| Blüte | April bis Mai |
| Herkunft | östliches Nordamerika; bei uns Hecken- und Parkpflanze |
Botanisches Profil
Immergrüner Baum oder Strauch, als Hecke meist schmal-kegelförmig. Die Zweige sind flach, die schuppenförmigen Blätter liegen dicht an. Die Unterseite der Zweige ist heller gelbgrün, aber ohne weiße Zeichnung. Zerrieben riechen sie würzig. Die Zapfen sind klein, länglich-eiförmig, erst gelbgrün, reif hellbraun, mit wenigen dünnen Schuppen.
| Merkmal | Abendländischer Lebensbaum | Lawsons Scheinzypresse |
|---|---|---|
| Zweigunterseite | heller grün, ohne weiße Zeichnung | mit weißen, X-förmigen Zeichnungen |
| Zapfen | länglich, mit dünnen Schuppen | kugelig, mit schildförmigen Schuppen |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Das ätherische Öl mit Thujon schützt Zweige und Zapfen vor Fraß und Pilzbefall. In seiner Heimat, dem Osten Nordamerikas, wächst der Lebensbaum auf feuchten Kalkböden und in Sümpfen. Das Holz ist durch seine Inhaltsstoffe besonders fäulnisbeständig.
Vom Molekül zum Symptom
Im Gehirn sorgt der Botenstoff GABA dafür, dass Nervenzellen nicht überreagieren: Er öffnet am GABA-A-Rezeptor einen Kanal für Chloridionen, die Zelle wird schwerer erregbar. Thujon blockiert diesen Kanal. Die Bremse fällt aus, die Nervenzellen feuern unkontrolliert, und es kommt zu Krämpfen.
Thujon wird in der Leber schnell abgebaut. Gefährlich wird es deshalb vor allem bei konzentriertem ätherischem Öl oder starken Zubereitungen, kaum durch ein paar angeknabberte Zweige.
Klinisches Bild
- Haut
- Rötung und Juckreiz beim Heckenschneiden, Kontaktallergie
- Magen-Darm
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Bei größeren Mengen, meist als Öl oder Tee
- Krampfanfälle
- Schäden an Leber und Nieren
Die Geschichte dahinter
Thujon gilt seit dem 19. Jahrhundert als Ursache des „Absinthismus“, der angeblich Absinthtrinker in den Wahnsinn trieb. Thujon stammt dort aus dem Wermut, nicht aus dem Lebensbaum. Analysen historischer Flaschen zeigen jedoch, dass der Thujongehalt viel zu gering war, um die Beschwerden zu erklären. Wahrscheinlicher war es schlicht der Alkohol.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Höld KM, Sirisoma NS, Ikeda T, Narahashi T, Casida JE: α-Thujone (the active component of absinthe): γ-aminobutyric acid type A receptor modulation and metabolic detoxification. PNAS 2000; 97: 3826–31.
- Lachenmeier DW, Emmert J, Kuballa T, Sartor G: Thujone – cause of absinthism? Forensic Science International 2006; 158: 1–8.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Bittersüßer Nachtschatten
Grüne, gelbe und rote Beeren am selben Zweig. Unreif sind sie am giftigsten.

Bunte Beilwicke
Rosa-weiße Blütenkronen an Böschungen und Wegrändern. Ihr Gift legt die Energiegewinnung der Zellen lahm.

Echter Beinwell
Als Salbe bei Prellungen bekannt. Innerlich schaden seine Alkaloide langfristig der Leber.