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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigZypressengewächse · Cupressaceae

Abendländischer Lebensbaum

Thuja occidentalis L.

Als Thuja-Hecke in unzähligen Vorgärten. Zweige und Zapfen enthalten ein ätherisches Öl mit Thujon, das in größeren Mengen Krämpfe auslösen kann.

Abendländischer LebensbaumAbendländischer Lebensbaum
Flache Zweige mit Schuppenblättern und jungen, länglichen Zapfen. Hortus medicus, Botanischer Garten Rombergpark Dortmund.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSETerpene (Monoterpen-Ketone, ätherisches Öl)
HAUPTTOXINThujon (α- und β-Thujon)
WIRKTYPNeurotoxin | Hemmung des GABA-A-Rezeptors → Übererregung
Giftige TeileZweigspitzen und Zapfen, besonders das ätherische Öl
BlüteApril bis Mai
Herkunftöstliches Nordamerika; bei uns Hecken- und Parkpflanze
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Lebensbaum angerufen. 67,8 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 12 (5,2 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Immergrüner Baum oder Strauch, als Hecke meist schmal-kegelförmig. Die Zweige sind flach, die schuppenförmigen Blätter liegen dicht an. Die Unterseite der Zweige ist heller gelbgrün, aber ohne weiße Zeichnung. Zerrieben riechen sie würzig. Die Zapfen sind klein, länglich-eiförmig, erst gelbgrün, reif hellbraun, mit wenigen dünnen Schuppen.

MerkmalAbendländischer LebensbaumLawsons Scheinzypresse
Zweigunterseiteheller grün, ohne weiße Zeichnungmit weißen, X-förmigen Zeichnungen
Zapfenlänglich, mit dünnen Schuppenkugelig, mit schildförmigen Schuppen

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Das ätherische Öl mit Thujon schützt Zweige und Zapfen vor Fraß und Pilzbefall. In seiner Heimat, dem Osten Nordamerikas, wächst der Lebensbaum auf feuchten Kalkböden und in Sümpfen. Das Holz ist durch seine Inhaltsstoffe besonders fäulnisbeständig.

Vom Molekül zum Symptom

Im Gehirn sorgt der Botenstoff GABA dafür, dass Nervenzellen nicht überreagieren: Er öffnet am GABA-A-Rezeptor einen Kanal für Chloridionen, die Zelle wird schwerer erregbar. Thujon blockiert diesen Kanal. Die Bremse fällt aus, die Nervenzellen feuern unkontrolliert, und es kommt zu Krämpfen.

Thujon wird in der Leber schnell abgebaut. Gefährlich wird es deshalb vor allem bei konzentriertem ätherischem Öl oder starken Zubereitungen, kaum durch ein paar angeknabberte Zweige.

Klinisches Bild

  • Haut
    • Rötung und Juckreiz beim Heckenschneiden, Kontaktallergie
  • Magen-Darm
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Bei größeren Mengen, meist als Öl oder Tee
    • Krampfanfälle
    • Schäden an Leber und Nieren

Die Geschichte dahinter

Thujon gilt seit dem 19. Jahrhundert als Ursache des „Absinthismus“, der angeblich Absinthtrinker in den Wahnsinn trieb. Thujon stammt dort aus dem Wermut, nicht aus dem Lebensbaum. Analysen historischer Flaschen zeigen jedoch, dass der Thujongehalt viel zu gering war, um die Beschwerden zu erklären. Wahrscheinlicher war es schlicht der Alkohol.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Höld KM, Sirisoma NS, Ikeda T, Narahashi T, Casida JE: α-Thujone (the active component of absinthe): γ-aminobutyric acid type A receptor modulation and metabolic detoxification. PNAS 2000; 97: 3826–31.
  2. Lachenmeier DW, Emmert J, Kuballa T, Sartor G: Thujone – cause of absinthism? Forensic Science International 2006; 158: 1–8.
  3. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.