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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigNachtschattengewächse · Solanaceae

Schwarzer Nachtschatten

Solanum nigrum L.

Ein einjähriges Unkraut in Gärten, auf Äckern und an Wegen. Weiße Sternblüten und Blüten und Beeren gleichzeitig. Die grünen, unreifen Beeren enthalten am meisten Gift.

Schwarzer NachtschattenSchwarzer Nachtschatten
Weiße Sternblüten mit gelbem Staubbeutelkegel, darunter grüne, unreife Beeren. Bochum-Linden.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEAlkaloide (Steroid-Typ, an Zucker gebunden)
HAUPTTOXINSolasonin · Solamargin
WIRKTYPMembrantoxin | Komplexbildung mit Cholesterin → Schleimhautreizung
Giftige TeileBlätter und unreife Beeren
BlüteJuni bis Oktober
FruchtreifeAugust bis Oktober
StandortGärten, Äcker, Schuttplätze, Wegränder
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen den Schwarzen Nachtschatten angerufen. 83,9 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, mittelschwere oder schwere Verläufe gab es keine. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Bis 70 Zentimeter hohe, einjährige Pflanze mit eiförmigen, oft grob gezähnten Blättern. Kleine, weiße Sternblüten mit gelbem Staubbeutelkegel, in kleinen Dolden. Die erbsengroßen Beeren sind erst grün, reif matt schwarz.

MerkmalSchwarzer NachtschattenBittersüßer Nachtschatten
Wuchsaufrechtes Kraut, einjährigkletternder Halbstrauch
Blüteweißviolett
Reife Beerenschwarzscharlachrot

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Wie beim Bittersüßen Nachtschatten sinkt der Gehalt an Glykoalkaloiden mit der Reife. Erst die schwarzen, reifen Beeren sind für Vögel attraktiv, die die Samen verbreiten. Die Pflanze ist ein Kulturfolger und wächst auf Äckern, in Gärten und an Wegrändern.

Vom Molekül zum Symptom

Wie beim Bittersüßen Nachtschatten lagern sich die Glykoalkaloide an das Cholesterin der Zellmembran und reizen die Schleimhaut von Magen und Darm. Einige hemmen außerdem schwach die Cholinesterasen, die Acetylcholin abbauen.

Der Gehalt schwankt stark: Unreife Beeren und Blätter enthalten deutlich mehr als reife Beeren, die in manchen Regionen der Welt sogar gegessen werden. Darauf verlassen sollte man sich bei uns nicht.

Klinisches Bild

  • Nach einigen Stunden
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
  • Selten, bei größeren Mengen
    • Benommenheit, beschleunigter Puls

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Milner SE et al.: Bioactivities of glycoalkaloids and their aglycones from Solanum species. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2011; 59: 3454–84.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.