Schwarzer Nachtschatten
Ein einjähriges Unkraut in Gärten, auf Äckern und an Wegen. Weiße Sternblüten und Blüten und Beeren gleichzeitig. Die grünen, unreifen Beeren enthalten am meisten Gift.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Steroid-Typ, an Zucker gebunden) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Solasonin · Solamargin |
| WIRKTYP | Membrantoxin | Komplexbildung mit Cholesterin → Schleimhautreizung |
| Giftige Teile | Blätter und unreife Beeren |
|---|---|
| Blüte | Juni bis Oktober |
| Fruchtreife | August bis Oktober |
| Standort | Gärten, Äcker, Schuttplätze, Wegränder |
Botanisches Profil
Bis 70 Zentimeter hohe, einjährige Pflanze mit eiförmigen, oft grob gezähnten Blättern. Kleine, weiße Sternblüten mit gelbem Staubbeutelkegel, in kleinen Dolden. Die erbsengroßen Beeren sind erst grün, reif matt schwarz.
| Merkmal | Schwarzer Nachtschatten | Bittersüßer Nachtschatten |
|---|---|---|
| Wuchs | aufrechtes Kraut, einjährig | kletternder Halbstrauch |
| Blüte | weiß | violett |
| Reife Beeren | schwarz | scharlachrot |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Wie beim Bittersüßen Nachtschatten sinkt der Gehalt an Glykoalkaloiden mit der Reife. Erst die schwarzen, reifen Beeren sind für Vögel attraktiv, die die Samen verbreiten. Die Pflanze ist ein Kulturfolger und wächst auf Äckern, in Gärten und an Wegrändern.
Vom Molekül zum Symptom
Wie beim Bittersüßen Nachtschatten lagern sich die Glykoalkaloide an das Cholesterin der Zellmembran und reizen die Schleimhaut von Magen und Darm. Einige hemmen außerdem schwach die Cholinesterasen, die Acetylcholin abbauen.
Der Gehalt schwankt stark: Unreife Beeren und Blätter enthalten deutlich mehr als reife Beeren, die in manchen Regionen der Welt sogar gegessen werden. Darauf verlassen sollte man sich bei uns nicht.
Klinisches Bild
- Nach einigen Stunden
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
- Selten, bei größeren Mengen
- Benommenheit, beschleunigter Puls
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Milner SE et al.: Bioactivities of glycoalkaloids and their aglycones from Solanum species. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2011; 59: 3454–84.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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