Vielblättrige Lupine
Eine beliebte Gartenstaude, die sich an Wegrändern und auf Bergwiesen stark ausbreitet. Ihre Samen enthalten bittere Alkaloide. Gefährlich wird es, wenn sie mit essbaren Süßlupinen verwechselt werden.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Chinolizidinalkaloide |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Lupanin, Spartein und verwandte Alkaloide |
| WIRKTYP | Nervengift | wirkt an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren |
| Giftige Teile | alle, besonders die Samen |
|---|---|
| Blüte | Juni bis August |
| Fruchtreife | August bis September |
| Herkunft | Nordamerika; bei uns Gartenpflanze, vielerorts verwildert |
Botanisches Profil
Ausdauernde Staude, 60 bis 150 Zentimeter hoch. Die Blätter sind handförmig geteilt mit 9 bis 17 schmalen Blättchen. Die Schmetterlingsblüten stehen in langen, aufrechten Trauben, meist blauviolett, bei Gartensorten auch rosa, weiß oder gelb. Danach entstehen behaarte Hülsen mit mehreren Samen.
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Lupine bindet Stickstoff und düngt damit magere Böden. Was im Garten nützlich ist, wird in der Natur zum Problem: In Bergwiesen, etwa in der Rhön, verdrängt sie seltene Arten, die auf nährstoffarme Böden angewiesen sind.
Vom Molekül zum Symptom
Die Chinolizidinalkaloide der Lupine wirken an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und hemmen teils auch Natriumkanäle, ähnlich wie die Alkaloide von Ginster und Goldregen. Wildlupinen und Zierlupinen enthalten viel davon, sogenannte Süßlupinen sind auf geringe Gehalte gezüchtet. Äußerlich lassen sich die Samen nicht unterscheiden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt deshalb davor, bittere Lupinensamen selbst zu entbittern oder Samen aus dem Garten zu essen.[1]
Klinisches Bild
- Nach Aufnahme bitterer Samen
- Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
- Mundtrockenheit, Sehstörungen
- Bei größeren Mengen
- Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
- Muskelschwäche
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Risikobewertung des Alkaloidvorkommens in Lupinensamen. Stellungnahme Nr. 003/2017.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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