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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigHülsenfrüchtler · Fabaceae

Vielblättrige Lupine

Lupinus polyphyllus Lindl.

Eine beliebte Gartenstaude, die sich an Wegrändern und auf Bergwiesen stark ausbreitet. Ihre Samen enthalten bittere Alkaloide. Gefährlich wird es, wenn sie mit essbaren Süßlupinen verwechselt werden.

Vielblättrige LupineVielblättrige Lupine
Blauviolette Blütenkerzen über handförmig geteilten Blättern mit vielen schmalen Blättchen.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEChinolizidinalkaloide
HAUPTTOXINLupanin, Spartein und verwandte Alkaloide
WIRKTYPNervengift | wirkt an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren
Giftige Teilealle, besonders die Samen
BlüteJuni bis August
FruchtreifeAugust bis September
HerkunftNordamerika; bei uns Gartenpflanze, vielerorts verwildert

Botanisches Profil

Ausdauernde Staude, 60 bis 150 Zentimeter hoch. Die Blätter sind handförmig geteilt mit 9 bis 17 schmalen Blättchen. Die Schmetterlingsblüten stehen in langen, aufrechten Trauben, meist blauviolett, bei Gartensorten auch rosa, weiß oder gelb. Danach entstehen behaarte Hülsen mit mehreren Samen.

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Lupine bindet Stickstoff und düngt damit magere Böden. Was im Garten nützlich ist, wird in der Natur zum Problem: In Bergwiesen, etwa in der Rhön, verdrängt sie seltene Arten, die auf nährstoffarme Böden angewiesen sind.

Vom Molekül zum Symptom

Die Chinolizidinalkaloide der Lupine wirken an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und hemmen teils auch Natriumkanäle, ähnlich wie die Alkaloide von Ginster und Goldregen. Wildlupinen und Zierlupinen enthalten viel davon, sogenannte Süßlupinen sind auf geringe Gehalte gezüchtet. Äußerlich lassen sich die Samen nicht unterscheiden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt deshalb davor, bittere Lupinensamen selbst zu entbittern oder Samen aus dem Garten zu essen.[1]

Klinisches Bild

  • Nach Aufnahme bitterer Samen
    • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
    • Mundtrockenheit, Sehstörungen
  • Bei größeren Mengen
    • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
    • Muskelschwäche

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Lupinen sind ein wertvolles Eiweißlebensmittel, wenn es sich um Süßlupinen handelt. Wer gegen Erdnüsse allergisch ist, kann auch auf Lupinen allergisch reagieren – in der EU müssen Lupinen deshalb auf Lebensmitteln als Allergen gekennzeichnet werden.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Risikobewertung des Alkaloidvorkommens in Lupinensamen. Stellungnahme Nr. 003/2017.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.