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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigNachtschattengewächse · Solanaceae

Schlafbeere

Withania somnifera (L.) Dunal

Als Ashwagandha in Kapseln und Pulvern im Handel. Im Botanischen Garten wächst die Pflanze dazu: ein Halbstrauch mit roten Beeren in papierartigen Hüllen. Natürlich heißt nicht harmlos.

SchlafbeereSchlafbeere
Papierartige Kelchhüllen mit orangeroten Beeren zwischen den Blättern. Botanischer Garten der Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSESteroidlactone (Withanolide)
HAUPTTOXINWithaferin A und weitere Withanolide
WIRKTYPvielfältig | Reaktion mit Eiweißen in Entzündungs- und Stresssignalwegen
Giftige TeileBlätter und Beeren; die Wurzel wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft
FruchtreifeSpätsommer bis Herbst
HerkunftIndien, Nordafrika, Mittelmeerraum; bei uns nur kultiviert

Botanisches Profil

Bis etwa 1,5 Meter hoher, filzig behaarter Halbstrauch mit eiförmigen, ganzrandigen Blättern. Unscheinbare, grünlich-gelbe Blüten in den Blattachseln. Nach der Blüte vergrößert sich der Kelch zu einer aufgeblasenen, papierartigen Hülle, in der eine orangerote Beere sitzt.

MerkmalSchlafbeereGewöhnliche Blasenkirsche
Hülle um die Beereklein, grünlich bis bräunlich, behaartgroß, leuchtend orange
WuchsHalbstrauch, filzig behaartStaude mit Ausläufern

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Withanolide gelten als Fraßschutz gegen Insekten. Der Kelch wächst nach der Blüte zu einer papierartigen Hülle heran und umschließt die Beere, bis sie reif ist, ähnlich wie bei der verwandten Lampionblume.

Vom Molekül zum Symptom

Withanolide sind Steroidlactone, die an viele Zielstrukturen gleichzeitig binden. Withaferin A reagiert mit Schwefelgruppen von Eiweißen und greift so in Entzündungs- und Stresssignalwege ein, ein Grund, warum es intensiv erforscht wird.

Wie die seltenen Leberschäden entstehen, ist nicht geklärt. Sie treten bei einzelnen Personen unabhängig von der Dosis auf. Vorher abschätzen lässt sich dieses Risiko nicht.

Klinisches Bild

  • Beim Verschlucken der Pflanze
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
    • Schläfrigkeit
  • Bei Nahrungsergänzungsmitteln, selten
    • Leberschaden mit Gelbsucht, Juckreiz und Abgeschlagenheit, meist Wochen nach Beginn der Einnahme
    • nach dem Absetzen meist Erholung

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: In der ayurvedischen Medizin wird die Wurzel seit Jahrhunderten genutzt. Heute wird Ashwagandha gegen Stress und Schlafprobleme beworben. Einige kleinere Studien zeigen Effekte, für eine Zulassung als Arzneimittel reicht die Datenlage bisher nicht. Mehrere europäische Behörden sehen die Präparate kritisch, vor allem wegen möglicher Leberschäden und in der Schwangerschaft.

Die Geschichte dahinter

Der Artname somnifera bedeutet „Schlaf bringend“. Der Sanskrit-Name Ashwagandha wird meist als „Geruch des Pferdes“ übersetzt, nach dem Geruch der frischen Wurzel.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Björnsson HK et al.: Ashwagandha-induced liver injury: a case series from Iceland and the US Drug-Induced Liver Injury Network. Liver International 2020; 40: 825–29.
  2. Mirjalili MH et al.: Steroidal lactones from Withania somnifera, an ancient plant for novel medicine. Molecules 2009; 14: 2373–93.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.