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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigLiliengewächse · Liliaceae

Schachblume

Fritillaria meleagris L.

Eine Zwiebelpflanze feuchter Auenwiesen mit nickenden, schachbrettartig gemusterten Blüten. In der Natur ist sie selten und besonders geschützt, in Gärten wird sie gern gepflanzt. Alle Teile sind giftig, am stärksten die Zwiebel.

SchachblumeSchachblume
Nickende, glockenförmige Blüte mit schachbrettartig gemusterten, violetten Blütenhüllblättern. Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSESteroidalkaloide
HAUPTTOXINSteroidalkaloide, darunter Imperialin
WIRKTYPReizstoff · Herzwirkung | Magen-Darm-Reizung, bei größeren Mengen Kreislauf
Giftige Teilealle, besonders die Zwiebel
BlüteApril bis Mai
FruchtreifeJuni
Standortwechselfeuchte Auenwiesen; in Gärten und Parks gepflanzt

Botanisches Profil

Zwiebelpflanze, 20 bis 40 Zentimeter hoch, mit wenigen schmalen, graugrünen Blättern. Am Ende des Stängels hängt meist eine einzelne, glockenförmige Blüte aus sechs Blütenhüllblättern, violett und hell schachbrettartig gemustert, seltener weiß. Danach entsteht eine aufrechte Kapsel mit vielen flachen Samen.

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Alkaloide schützen vor allem die Zwiebel, den Speicher der Pflanze. Bestäubt werden die nickenden Blüten von Hummeln und Bienen, die unter die Glocke kriechen.

Vom Molekül zum Symptom

Die Schachblume enthält Steroidalkaloide, die mit denen des Weißen Germers verwandt sind, aber deutlich schwächer wirken. Sie reizen vor allem Magen und Darm. Weil die Pflanze selten ist und kaum jemand ihre Zwiebel isst, sind Vergiftungen eine Ausnahme.

Klinisches Bild

  • Nach Aufnahme
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Bei größeren Mengen, vor allem der Zwiebel
    • verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Zwiebeln verwandter Fritillaria-Arten werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Hustenmittel verwendet. Eine Zulassung als Arzneimittel gibt es in Deutschland nicht.

Die Geschichte dahinter

Der wissenschaftliche Artname meleagris bedeutet Perlhuhn – nach dem gesprenkelten Muster der Blüte. In Deutschland ist die Schachblume selten geworden, weil feuchte Auenwiesen entwässert wurden. Sie ist besonders geschützt: Wild wachsende Pflanzen dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.