Schachblume
Eine Zwiebelpflanze feuchter Auenwiesen mit nickenden, schachbrettartig gemusterten Blüten. In der Natur ist sie selten und besonders geschützt, in Gärten wird sie gern gepflanzt. Alle Teile sind giftig, am stärksten die Zwiebel.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Steroidalkaloide |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Steroidalkaloide, darunter Imperialin |
| WIRKTYP | Reizstoff · Herzwirkung | Magen-Darm-Reizung, bei größeren Mengen Kreislauf |
| Giftige Teile | alle, besonders die Zwiebel |
|---|---|
| Blüte | April bis Mai |
| Fruchtreife | Juni |
| Standort | wechselfeuchte Auenwiesen; in Gärten und Parks gepflanzt |
Botanisches Profil
Zwiebelpflanze, 20 bis 40 Zentimeter hoch, mit wenigen schmalen, graugrünen Blättern. Am Ende des Stängels hängt meist eine einzelne, glockenförmige Blüte aus sechs Blütenhüllblättern, violett und hell schachbrettartig gemustert, seltener weiß. Danach entsteht eine aufrechte Kapsel mit vielen flachen Samen.
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Alkaloide schützen vor allem die Zwiebel, den Speicher der Pflanze. Bestäubt werden die nickenden Blüten von Hummeln und Bienen, die unter die Glocke kriechen.
Vom Molekül zum Symptom
Die Schachblume enthält Steroidalkaloide, die mit denen des Weißen Germers verwandt sind, aber deutlich schwächer wirken. Sie reizen vor allem Magen und Darm. Weil die Pflanze selten ist und kaum jemand ihre Zwiebel isst, sind Vergiftungen eine Ausnahme.
Klinisches Bild
- Nach Aufnahme
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Bei größeren Mengen, vor allem der Zwiebel
- verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Der wissenschaftliche Artname meleagris bedeutet Perlhuhn – nach dem gesprenkelten Muster der Blüte. In Deutschland ist die Schachblume selten geworden, weil feuchte Auenwiesen entwässert wurden. Sie ist besonders geschützt: Wild wachsende Pflanzen dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Schlafbeere
Als Ashwagandha im Handel. Rote Beeren in papierartigen Hüllen, und natürlich heißt nicht harmlos.

Schwarzer Nachtschatten
Ein Gartenunkraut mit weißen Sternblüten. Seine unreifen Beeren sind giftiger als die reifen.

Vielblättrige Lupine
Hohe blaue Blütenkerzen an Wegrändern und in Gärten. Ihre Samen sind bitter und giftig – anders als die Süßlupinen aus dem Supermarkt.