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★★★☆☆  Grad 3 · giftigZypressengewächse · Cupressaceae

Sadebaum

Juniperus sabina L.

Ein niedriger, ausladender Wacholder, auch Stink-Wacholder genannt. Zerrieben riechen die Zweige unangenehm. Sein ätherisches Öl reizt Haut, Darm und Nieren stark.

SadebaumSadebaum
Zweige mit schuppenförmigen Blättern, an älteren Trieben auch nadelförmige. Hortus medicus, Botanischer Garten Rombergpark Dortmund.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSETerpene (ätherisches Öl)
HAUPTTOXINSabinylacetat
WIRKTYPReizstoff | starke Schleimhautreizung, Schädigung von Niere und Darm
Giftige TeileZweigspitzen und Beerenzapfen, besonders das ätherische Öl
Fruchtreifeim Herbst des zweiten Jahres
Vorkommenwild in den Alpen und anderen Gebirgen, in Deutschland selten; häufig in Gärten

Botanisches Profil

Meist niederliegender bis aufsteigender Strauch, selten ein kleiner Baum. Die Blätter sind überwiegend schuppenförmig und liegen den Zweigen dicht an, an jungen Pflanzen und Trieben auch nadelförmig. Zerrieben riechen die Zweige stark und unangenehm. Die Beerenzapfen sind klein, blauschwarz, bereift und hängen an kurzen, gekrümmten Stielen.

MerkmalSadebaumGewöhnlicher Wacholder
Blätterüberwiegend Schuppen, anliegendnur Nadeln, zu dritt, stechend
Geruch beim Zerreibenstark, unangenehmharzig-aromatisch
Wuchsmeist niederliegendaufrecht, oft säulenförmig

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Der Sadebaum wächst wild in den Gebirgen Süd- und Mitteleuropas, oft an trockenen, sonnigen Felshängen. Sein stark riechendes ätherisches Öl schützt die Zweige vor Fraß. Die blauschwarzen Beerenzapfen fressen Vögel und verbreiten so die Samen.

Vom Molekül zum Symptom

Das ätherische Öl besteht vor allem aus Sabinylacetat und Sabinen. Diese Terpene sind fettlöslich, dringen in Haut und Schleimhaut ein und lösen dort eine starke Entzündung aus, bis zum Absterben von Gewebe. Ausgeschieden werden sie über die Niere, die dabei ebenfalls geschädigt wird. Die Blutungen aus der Gebärmutter sind Folge der starken Gefäßreizung im Becken.

Daneben enthält der Sadebaum Podophyllotoxin. Es hemmt wie das Colchicin der Herbst-Zeitlose den Aufbau der Mikrotubuli und damit die Zellteilung.

Klinisches Bild

  • Haut
    • Rötung und Blasen nach Kontakt mit dem Öl
  • Magen-Darm
    • Erbrechen, blutiger Durchfall, Bauchkrämpfe
  • Schwere Verläufe
    • Nierenschäden mit Blut im Urin
    • Blutungen aus der Gebärmutter
    • Krämpfe, Bewusstlosigkeit

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Podophyllotoxin selbst wird, meist aus dem Maiapfel gewonnen, als Lösung gegen Feigwarzen eingesetzt. Daraus abgeleitet wurde Etoposid, ein Krebsmedikament. Es wirkt jedoch anders: Es hemmt nicht die Mikrotubuli, sondern die Topoisomerase II, ein Enzym, das die DNA beim Kopieren entwirrt.

Die Geschichte dahinter

Über Jahrhunderte wurde der Sadebaum als Abtreibungsmittel missbraucht. Viele Frauen starben dabei, denn eine Wirkung auf die Gebärmutter trat meist erst bei Mengen ein, die auch Nieren und Darm schwer schädigten. In manchen Regionen wurde der Strauch deshalb aus Gärten entfernt.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Roth L, Daunderer M, Kormann K: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.