Rainfarn
Eine kräftige Staude an Wegrändern und Böschungen mit gelben, knopfförmigen Blüten. Zerrieben riecht sie stark nach Kampfer. Ihr ätherisches Öl enthält Thujon, das in größeren Mengen Krämpfe auslösen kann.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Monoterpene |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Thujon (im ätherischen Öl) |
| WIRKTYP | Nervengift | hemmt den GABA-A-Rezeptor |
| Giftige Teile | alle, besonders Blüten, Blätter und das ätherische Öl |
|---|---|
| Blüte | Juli bis September |
| Fruchtreife | September bis Oktober |
| Standort | Wegränder, Böschungen, Ufer, Brachflächen |
Botanisches Profil
Ausdauernde Staude, 60 bis 150 Zentimeter hoch, mit aufrechten, oft rötlich überlaufenen Stängeln. Die Blätter sind gefiedert, die Abschnitte fein gezähnt. Die gelben Blütenköpfe haben keine Zungenblüten, sie sehen aus wie Knöpfe und stehen in flachen Schirmrispen. Die ganze Pflanze riecht beim Zerreiben stark nach Kampfer.
| Merkmal | Rainfarn | Gewöhnliche Schafgarbe |
|---|---|---|
| Blütenköpfe | gelbe Knöpfe ohne Randblüten | weiß, mit kleinen Randblüten |
| Geruch | stark, nach Kampfer | mild, würzig |
| Blätter | einfach gefiedert, gezähnt | fein, mehrfach zerteilt |
Wozu die Pflanze das Gift hat
Das ätherische Öl schreckt Insekten ab – früher legte man Rainfarn deshalb gegen Flöhe und Motten in Betten und Schränke. Für Weidetiere ist er wegen des Geruchs unattraktiv, sie lassen ihn meist stehen.
Vom Molekül zum Symptom
Thujon hemmt den GABA-A-Rezeptor, über den das Gehirn Erregung dämpft. Fällt diese Bremse weg, können Krampfanfälle entstehen.[1] Derselbe Stoff steckt im Lebensbaum und im Wermut. Gefährlich ist vor allem das konzentrierte Öl. Früher wurde Rainfarn als Wurmmittel und zur Abtreibung eingenommen – mit teils tödlichen Folgen für die Frauen.
Klinisches Bild
- Nach Aufnahme von Pflanzenteilen
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Nach Öl oder starkem Tee
- Krampfanfälle
- Schädigung von Leber und Nieren
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Höld KM, Sirisoma NS, Ikeda T, Narahashi T, Casida JE: α-Thujone (the active component of absinthe): γ-aminobutyric acid type A receptor modulation and metabolic detoxification. Proceedings of the National Academy of Sciences 2000; 97: 3826–31.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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