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★★★☆☆  Grad 3 · giftigSpargelgewächse · Asparagaceae

Maiglöckchen

Convallaria majalis L.

Im Mai duftende weiße Glöckchen, im Spätsommer rote Beeren. Alle Teile enthalten Herzglykoside, darunter Convallatoxin. Im Frühjahr wird es mit Bärlauch verwechselt.

MaiglöckchenMaiglöckchen
Reife, rote Beeren an überhängenden Stielen. Hortus medicus, Botanischer Garten Rombergpark Dortmund.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEHerzglykoside (Cardenolide)
HAUPTTOXINConvallatoxin
WIRKTYPCardiotoxin | Na⁺/K⁺-ATPase-Inhibition (Cardenolid)
Giftige Teilealle, besonders Blüten und Samen; auch das Blumenwasser
BlüteMai bis Juni
FruchtreifeAugust bis September
StandortLaubwälder, oft auf Kalk; häufig in Gärten
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen das Maiglöckchen angerufen. 78,5 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 7 (1,7 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Ausdauernde Staude mit kriechendem Wurzelstock. Meist zwei breit-elliptische, ganzrandige Blätter, die am Grund ineinander stecken und den Blütenstängel umfassen. Die Blattunterseite glänzt. Weiße, nickende, stark duftende Glockenblüten in einer einseitigen Traube. Im Spätsommer kugelige, rote Beeren.

MerkmalMaiglöckchenBärlauch
Blättermeist zu zweit, am Grund ineinander steckendeinzeln, jedes Blatt mit eigenem Stiel
Blattunterseiteglänzendmatt
GeruchkeinerKnoblauch, aber unzuverlässig, die Finger riechen nach dem ersten Blatt
Blüteweiße Glöckchen in einseitiger Traubeweiße Sterne in einer Dolde

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die roten Beeren werden von Vögeln gefressen, die die Samen verbreiten. Daneben breitet sich das Maiglöckchen vor allem unterirdisch aus: Ein einziger Bestand kann aus einem weit verzweigten Wurzelstock bestehen, der über Jahrzehnte wächst.

Vom Molekül zum Symptom

Convallatoxin hemmt die Natrium-Kalium-ATPase, die Ionenpumpe der Zellmembran, genau wie Digoxin aus dem Fingerhut. In der Herzmuskelzelle steigt dadurch das Natrium, der Natrium-Calcium-Austauscher arbeitet schlechter, und Calcium sammelt sich an. Erst schlägt das Herz kräftiger, bei stärkerer Hemmung unregelmäßig.

Dass schwere Vergiftungen trotzdem selten sind, liegt an der Aufnahme: Aus dem Darm gelangt nur ein kleiner Teil ins Blut, und Erbrechen setzt oft früh ein.

Klinisches Bild

  • Magen-Darm
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
    • Bauchschmerzen
  • Bei größeren Mengen
    • verlangsamter oder unregelmäßiger Herzschlag
    • Schwindel, Sehstörungen

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Zubereitungen aus Maiglöckchen wurden lange als Herzmittel verwendet, Convallatoxin war in Osteuropa sogar als Injektion im Handel. Heute ist es weitgehend durch Digoxin und moderne Herzmedikamente ersetzt. Dieselbe Ionenpumpe beim Pfaffenhütchen.

Die Geschichte dahinter

Kaum ein Duft ist bekannter, und doch stammt das Maiglöckchenaroma in Parfüms fast immer aus dem Labor: Aus den Blüten lässt sich kaum ätherisches Öl gewinnen. Die Duftchemie musste den Geruch nachbauen.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verbraucherinformationen zur Verwechslung von Bärlauch mit giftigen Pflanzen.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.