Riesen-Bärenklau
Bis drei Meter hoch, mit Dolden so groß wie ein Regenschirm, an Ufern und Wegrändern. Gefährlich ist nicht das Essen, sondern die Berührung in Verbindung mit Sonnenlicht.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Furanocumarine |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Bergapten · Xanthotoxin |
| WIRKTYP | Phototoxin | UV-A-Aktivierung → Vernetzung der DNA in Hautzellen |
| Giftige Teile | Saft aller Teile, besonders Stängel und Blätter |
|---|---|
| Blüte | Juni bis August |
| Herkunft | Kaukasus; bei uns invasiv an Ufern, Wegen und Brachen |
Botanisches Profil
Zwei- bis mehrjährige Staude, die nach der Blüte abstirbt. Der Stängel ist bis zehn Zentimeter dick, hohl, purpurn gefleckt und borstig. Die Blätter sind riesig, bis drei Meter lang und tief eingeschnitten mit spitzen Zipfeln. Die weißen Doppeldolden erreichen bis 50 Zentimeter Durchmesser.
| Merkmal | Riesen-Bärenklau | Wiesen-Bärenklau |
|---|---|---|
| Höhe | 2 bis 3 m und mehr | 0,5 bis 1,5 m |
| Stängel | bis 10 cm dick, rot gefleckt | bis 2 cm, ohne Flecken |
| Dolde | bis 50 cm Durchmesser | bis 20 cm |
| Grad | 3 | 1 |




Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Der Riesen-Bärenklau stammt aus dem Kaukasus und kam im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa. Eine Pflanze bildet Zehntausende Samen und verdrängt an Ufern und Wegrändern heimische Arten. Er steht deshalb auf der EU-Liste invasiver Arten. Die Furanocumarine schützen ihn vor Insekten und Pilzen.
Vom Molekül zum Symptom
Furanocumarine sind flache Moleküle, die sich zwischen die Basenpaare der DNA schieben. Für sich sind sie wenig schädlich. Trifft aber UV-A-Licht auf die Haut, werden sie aktiviert und verbinden sich fest mit den DNA-Strängen. Die Hautzellen können sich nicht mehr teilen und sterben ab, es entsteht eine Entzündung wie bei einem schweren Sonnenbrand.
Deshalb tritt die Reaktion nur an Hautstellen auf, die nach dem Kontakt in die Sonne kamen, oft in Streifen, wo der Saft heruntergelaufen ist.
Klinisches Bild
- Nach 24 bis 48 Stunden
- Rötung und Brennen an den Kontaktstellen
- Blasen wie bei einer Verbrennung
- Danach
- braune Pigmentflecken, die Monate bestehen bleiben
- die Stelle bleibt lange lichtempfindlich
- Auge
- Saft im Auge kann die Hornhaut schädigen
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Ein Schild am Kemnader See warnt: Bitte nicht berühren. Das ist ernst gemeint. Die Verbrennungen entstehen oft erst einen Tag nach dem Kontakt, und die braunen Flecken auf der Haut können Monate bleiben.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Nielsen C, Ravn HP, Nentwig W, Wade M (Hrsg.): The Giant Hogweed Best Practice Manual. Forest & Landscape Denmark, Hørsholm 2005.
- Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten, mit Unionsliste.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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