Breitblättriges Pfaffenhütchen
Im Herbst hängen an langen Stielen leuchtend pinke Kapseln, aus denen orangefarbene Samen baumeln. Für Kinder sehen sie aus wie Bonbons – und wie bei allen Pfaffenhütchen sind sie giftig.

| Hauptgifte | Herzglykoside (Cardenolide), wie in der Gattung Euonymus verbreitet |
|---|---|
| Stoffklasse | Herzglykoside (Cardenolide) |
| Wirktyp | Cardiotoxin – hemmt die Natrium-Kalium-ATPase; zusätzlich reizend |
| Giftige Teile | vor allem Samen, auch Rinde und Blätter |
| Fruchtreife | August bis Oktober |
| Vorkommen | in Deutschland nur im Südosten wild; sonst in Parks und botanischen Gärten |
Erkennen
Strauch oder kleiner Baum mit auffallend großen, breit-elliptischen Blättern. Die Früchte hängen an langen, dünnen Stielen. Die Kapseln sind meist fünfteilig, an den Kanten schmal geflügelt, und leuchtend pink bis karminrot. Reif springen sie auf und geben Samen frei, die von einem orangefarbenen Mantel umhüllt sind.
| Merkmal | Breitblättriges Pfaffenhütchen | Europäisches Pfaffenhütchen |
|---|---|---|
| Kapsel | meist fünfteilig, Kanten schmal geflügelt | vierteilig, ohne Flügel |
| Fruchtstiel | lang und hängend | kürzer |
| Farbe der Kapsel | kräftig pink bis karminrot | eher rosa |
| Blätter | groß, breit-elliptisch | kleiner, schmaler |
| Häufigkeit bei uns | selten, meist gepflanzt | häufig in Hecken und an Waldrändern |



Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Der leuchtend orangefarbene Samenmantel ist ein Signal an Vögel. Beim heimischen Europäischen Pfaffenhütchen erzählt das sogar der Volksname „Rotkehlchenbrot“: Rotkehlchen und andere Singvögel fressen die Samen und verbreiten sie. Für sie sind die Inhaltsstoffe offenbar gut verträglich, für Säugetiere nicht – ein Beispiel dafür, dass „giftig“ keine Eigenschaft ist, sondern eine Beziehung.
Was im Körper passiert
Pfaffenhütchen enthalten Cardenolide – dieselbe Stoffgruppe wie der Fingerhut. Sie hemmen die Natrium-Kalium-ATPase, die Ionenpumpe, die Nerven- und Muskelzellen ihre elektrische Spannung gibt. In der Herzmuskelzelle steigt dadurch indirekt das Calcium – erst schlägt das Herz kräftiger, bei stärkerer Hemmung unregelmäßig.
Am besten untersucht sind die Inhaltsstoffe des Europäischen Pfaffenhütchens. Für das Breitblättrige gibt es weniger Daten; toxikologisch wird es wie die übrigen Arten der Gattung behandelt. Warum die Beschwerden so spät einsetzen, ist nicht abschließend geklärt.
Typischer Verlauf
- Verzögerter Beginn
- Beschwerden oft erst nach vielen Stunden
- Beschwerdefreiheit kurz nach der Aufnahme bedeutet keine Entwarnung
- Magen-Darm-Phase
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe
- Bei größeren Mengen
- Kreislaufbeschwerden
- Herzrhythmusstörungen
Die Geschichte dahinter
Ihren Namen verdankt sie der Form der Kapseln: Sie erinnern an das Birett, die vierkantige Kopfbedeckung katholischer Geistlicher. Das harte, feinporige Holz machte den Strauch außerdem zum „Spindelbaum“ – daraus wurden Spindeln zum Spinnen gefertigt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Wendt S et al.: Vergiftungen durch Fruchtpflanzen in Deutschland. Auswertung des Gemeinsamen Giftinformationszentrums Erfurt, 2010–2019.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Springer Spektrum.
Kurzprofil aus dem Buchprojekt Heimische Giftpflanzen. Mengenangaben, Zubereitung und Behandlung sind bewusst nicht enthalten.
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