Kreuzblättrige Wolfsmilch
Auch Spring-Wolfsmilch genannt. Die blaugrünen Blätter stehen streng über Kreuz, die ganze Pflanze führt einen weißen, ätzenden Milchsaft.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Diterpenester (Ingenan- und Lathyran-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Ingenol- und Lathyrol-Ester |
| WIRKTYP | Reizstoff | Aktivierung der Proteinkinase C → starke Entzündung |
| Giftige Teile | Milchsaft aller Teile, Samen |
|---|---|
| Blüte | Juni bis August |
| Herkunft | östlicher Mittelmeerraum; bei uns Gartenpflanze, verwildert |
Botanisches Profil
Zweijährige, kahle, blaugrün bereifte Pflanze, bis über einen Meter hoch. Im ersten Jahr nur ein aufrechter Stängel mit schmalen Blättern, die in vier Zeilen streng kreuzgegenständig stehen, mit heller Mittelrippe. Im zweiten Jahr ein doldiger Blütenstand mit unscheinbaren, gelbgrünen Blüten und dreiteiligen Kapseln. Verletzt tritt sofort weißer Milchsaft aus.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Der giftige Milchsaft steht unter Druck: Wird ein Blatt verletzt, tritt er sofort aus und verklebt die Mundwerkzeuge von Insekten. Die reifen Kapseln springen auf und schleudern die Samen mehrere Meter weit, daher der Name Spring-Wolfsmilch.
Vom Molekül zum Symptom
Die Diterpenester im Milchsaft ähneln dem körpereigenen Botenstoff Diacylglycerin und aktivieren die Proteinkinase C, wie das Mezerein des Echten Seidelbasts. Die Zellen schütten Entzündungsstoffe aus, Gefäße werden durchlässig, auf Haut und Schleimhaut entstehen Rötung, Schwellung und Blasen.
Besonders gefährdet ist das Auge: Schon ein Tropfen Milchsaft, etwa beim Gärtnern über die Hand ins Auge gerieben, kann eine schwere Hornhautentzündung auslösen.
Klinisches Bild
- Haut
- Rötung, Brennen und Blasen nach Kontakt mit dem Milchsaft
- Auge
- starke Schmerzen, Bindehaut- und Hornhautentzündung, sofort spülen
- Nach Verschlucken
- Brennen in Mund und Rachen, Erbrechen, Durchfall
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Im Volksmund heißt sie Maulwurfspflanze, weil sie Wühlmäuse und Maulwürfe vertreiben soll. Belegt ist das nicht. Ein Verwandter, die Garten-Wolfsmilch, lieferte den Wirkstoff Ingenolmebutat gegen Hautkrebsvorstufen.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- European Medicines Agency: Picato (ingenol mebutate): Widerruf der Zulassung. 2020.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Rainfarn
Gelbe Knöpfe ohne Blütenblätter und ein strenger Geruch nach Kampfer. Früher ein Wurmmittel – sein Öl kann Krämpfe auslösen.

Schachblume
Nickende Glocken mit Schachbrettmuster. Selten, streng geschützt – und in allen Teilen giftig.

Schlafbeere
Als Ashwagandha im Handel. Rote Beeren in papierartigen Hüllen, und natürlich heißt nicht harmlos.