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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigWolfsmilchgewächse · Euphorbiaceae

Kreuzblättrige Wolfsmilch

Euphorbia lathyris L.

Auch Spring-Wolfsmilch genannt. Die blaugrünen Blätter stehen streng über Kreuz, die ganze Pflanze führt einen weißen, ätzenden Milchsaft.

Kreuzblättrige WolfsmilchKreuzblättrige Wolfsmilch
Junge Pflanze mit blaugrünen Blättern, streng kreuzweise angeordnet. Bochum-Weitmar.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEDiterpenester (Ingenan- und Lathyran-Typ)
HAUPTTOXINIngenol- und Lathyrol-Ester
WIRKTYPReizstoff | Aktivierung der Proteinkinase C → starke Entzündung
Giftige TeileMilchsaft aller Teile, Samen
BlüteJuni bis August
Herkunftöstlicher Mittelmeerraum; bei uns Gartenpflanze, verwildert

Botanisches Profil

Zweijährige, kahle, blaugrün bereifte Pflanze, bis über einen Meter hoch. Im ersten Jahr nur ein aufrechter Stängel mit schmalen Blättern, die in vier Zeilen streng kreuzgegenständig stehen, mit heller Mittelrippe. Im zweiten Jahr ein doldiger Blütenstand mit unscheinbaren, gelbgrünen Blüten und dreiteiligen Kapseln. Verletzt tritt sofort weißer Milchsaft aus.

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Der giftige Milchsaft steht unter Druck: Wird ein Blatt verletzt, tritt er sofort aus und verklebt die Mundwerkzeuge von Insekten. Die reifen Kapseln springen auf und schleudern die Samen mehrere Meter weit, daher der Name Spring-Wolfsmilch.

Vom Molekül zum Symptom

Die Diterpenester im Milchsaft ähneln dem körpereigenen Botenstoff Diacylglycerin und aktivieren die Proteinkinase C, wie das Mezerein des Echten Seidelbasts. Die Zellen schütten Entzündungsstoffe aus, Gefäße werden durchlässig, auf Haut und Schleimhaut entstehen Rötung, Schwellung und Blasen.

Besonders gefährdet ist das Auge: Schon ein Tropfen Milchsaft, etwa beim Gärtnern über die Hand ins Auge gerieben, kann eine schwere Hornhautentzündung auslösen.

Klinisches Bild

  • Haut
    • Rötung, Brennen und Blasen nach Kontakt mit dem Milchsaft
  • Auge
    • starke Schmerzen, Bindehaut- und Hornhautentzündung, sofort spülen
  • Nach Verschlucken
    • Brennen in Mund und Rachen, Erbrechen, Durchfall

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Ein Ingenol-Ester aus der verwandten Garten-Wolfsmilch war als Gel gegen Vorstufen von hellem Hautkrebs zugelassen: Er zerstörte die veränderten Hautzellen gezielt durch eine starke örtliche Entzündung. 2020 wurde die Zulassung in der EU widerrufen, weil unter der Behandlung vermehrt Hautkrebs beobachtet wurde.

Die Geschichte dahinter

Im Volksmund heißt sie Maulwurfspflanze, weil sie Wühlmäuse und Maulwürfe vertreiben soll. Belegt ist das nicht. Ein Verwandter, die Garten-Wolfsmilch, lieferte den Wirkstoff Ingenolmebutat gegen Hautkrebsvorstufen.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. European Medicines Agency: Picato (ingenol mebutate): Widerruf der Zulassung. 2020.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.