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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigHülsenfrüchtler · Fabaceae

Färber-Ginster und Besenginster

Genista tinctoria L. · Cytisus scoparius (L.) Link

Zwei gelb blühende Ginster-Sträucher magerer, sandiger Standorte. Beide enthalten Alkaloide derselben Gruppe wie der Goldregen, aber in geringerer Menge. Am giftigsten sind die Samen in den Hülsen.

Färber-Ginster und BesenginsterFärber-Ginster und Besenginster
Färber-Ginster: leuchtend gelbe Schmetterlingsblüten in dichten Trauben, daneben schmale, lanzettliche Blätter. Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEChinolizidinalkaloide
HAUPTTOXINSpartein, Cytisin und verwandte Alkaloide
WIRKTYPNervengift | wirkt an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren
Giftige Teilealle, besonders die Samen
BlüteMai bis August
FruchtreifeJuli bis September
StandortHeiden, Magerrasen, Waldränder, Bahndämme; saure, sandige Böden

Botanisches Profil

Färber-Ginster: niedriger, dornloser Halbstrauch bis einen Meter, mit lanzettlichen, am Rand fein bewimperten Blättern und leuchtend gelben Blüten in Trauben. Besenginster: aufrechter Strauch bis drei Meter mit grünen, kantigen, rutenförmigen Zweigen und kleinen, oft dreizähligen Blättern, die früh abfallen. Seine großen goldgelben Blüten blühen im Mai und Juni, danach folgen schwarze, am Rand behaarte Hülsen.

MerkmalFärber-GinsterBesenginster
Wuchsniedrig, bis 1 maufrecht, bis 3 m
Zweigekaum kantiggrün, kantig, rutenförmig
Hülsenklein, kahlschwarz, am Rand behaart

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Wie alle Schmetterlingsblütler binden die Ginster mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft und wachsen deshalb auf mageren, sandigen Böden. Die Alkaloide schützen die eiweißreichen Samen vor Fraß. Beim Besenginster springen die reifen Hülsen in der Sonne hörbar auf und schleudern die Samen fort.

Vom Molekül zum Symptom

Die Alkaloide der Ginster wirken wie das Cytisin des Goldregens an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und lösen ein ähnliches Beschwerdebild aus wie Nikotin. Spartein, das Hauptalkaloid des Besenginsters, blockiert zusätzlich Natriumkanäle und wurde früher als Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und zur Wehenförderung eingesetzt. Mehr zu Acetylcholin →

Klinisches Bild

  • Nach Aufnahme von Samen
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Speichelfluss, Schwitzen
  • Bei größeren Mengen
    • Herzrasen, Unruhe, Schwindel

Die Geschichte dahinter

Der Färber-Ginster trägt seinen Namen zu Recht: Aus seinen Blüten und Trieben wurde früher ein gelber Farbstoff gewonnen, mit dem man Wolle und Leinen färbte.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.