Färber-Ginster und Besenginster
Zwei gelb blühende Ginster-Sträucher magerer, sandiger Standorte. Beide enthalten Alkaloide derselben Gruppe wie der Goldregen, aber in geringerer Menge. Am giftigsten sind die Samen in den Hülsen.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Chinolizidinalkaloide |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Spartein, Cytisin und verwandte Alkaloide |
| WIRKTYP | Nervengift | wirkt an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren |
| Giftige Teile | alle, besonders die Samen |
|---|---|
| Blüte | Mai bis August |
| Fruchtreife | Juli bis September |
| Standort | Heiden, Magerrasen, Waldränder, Bahndämme; saure, sandige Böden |
Botanisches Profil
Färber-Ginster: niedriger, dornloser Halbstrauch bis einen Meter, mit lanzettlichen, am Rand fein bewimperten Blättern und leuchtend gelben Blüten in Trauben. Besenginster: aufrechter Strauch bis drei Meter mit grünen, kantigen, rutenförmigen Zweigen und kleinen, oft dreizähligen Blättern, die früh abfallen. Seine großen goldgelben Blüten blühen im Mai und Juni, danach folgen schwarze, am Rand behaarte Hülsen.
| Merkmal | Färber-Ginster | Besenginster |
|---|---|---|
| Wuchs | niedrig, bis 1 m | aufrecht, bis 3 m |
| Zweige | kaum kantig | grün, kantig, rutenförmig |
| Hülsen | klein, kahl | schwarz, am Rand behaart |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Wie alle Schmetterlingsblütler binden die Ginster mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft und wachsen deshalb auf mageren, sandigen Böden. Die Alkaloide schützen die eiweißreichen Samen vor Fraß. Beim Besenginster springen die reifen Hülsen in der Sonne hörbar auf und schleudern die Samen fort.
Vom Molekül zum Symptom
Die Alkaloide der Ginster wirken wie das Cytisin des Goldregens an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und lösen ein ähnliches Beschwerdebild aus wie Nikotin. Spartein, das Hauptalkaloid des Besenginsters, blockiert zusätzlich Natriumkanäle und wurde früher als Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und zur Wehenförderung eingesetzt. Mehr zu Acetylcholin →
Klinisches Bild
- Nach Aufnahme von Samen
- Übelkeit, Erbrechen
- Speichelfluss, Schwitzen
- Bei größeren Mengen
- Herzrasen, Unruhe, Schwindel
Die Geschichte dahinter
Der Färber-Ginster trägt seinen Namen zu Recht: Aus seinen Blüten und Trieben wurde früher ein gelber Farbstoff gewonnen, mit dem man Wolle und Leinen färbte.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Gewöhnliche Waldrebe
Silbrig-fedrige Fruchtstände im Herbst. Ihr Gift entsteht erst, wenn man sie verletzt.

Gewöhnlicher Liguster
Die Heckenpflanze schlechthin, im Herbst mit glänzend schwarzen Beeren. Nach der Eibe die Pflanze, zu der der Giftnotruf am häufigsten angerufen wird.

Gewöhnlicher Wasserdost
Rosa Blütenstände, umschwärmt von Schmetterlingen. Er enthält dieselbe Giftgruppe wie das Jakobs-Greiskraut.