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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigSeifenbaumgewächse · Sapindaceae

Gewöhnliche Rosskastanie

Aesculus hippocastanum L.

Einer der häufigsten Park- und Alleebäume. Im Herbst sammeln Kinder die glänzenden Samen – und manche beißen hinein. Die Samen schmecken bitter und reizen Magen und Darm, schwere Vergiftungen sind selten.

Gewöhnliche RosskastanieGewöhnliche Rosskastanie
Aufrechte, weiße Blütenkerzen zwischen gefingerten Blättern mit fünf bis sieben Blättchen. Bochum-Weitmar.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSETriterpensaponine
HAUPTTOXINAescin
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung
Giftige TeileSamen, besonders unreif; auch Rinde und Blätter
BlüteApril bis Mai
FruchtreifeSeptember bis Oktober
HerkunftBalkanhalbinsel; bei uns Park-, Allee- und Schulhofbaum
113
Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Rosskastanie angerufen. 80,5 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 1 (0,9 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Großer Laubbaum, 15 bis 25 Meter hoch. Die Blätter sind gefingert mit fünf bis sieben grob gesägten Blättchen, die nach außen größer werden. Im Frühjahr stehen weiße, rot und gelb gefleckte Blüten in aufrechten Kerzen. Die Früchte sind grüne, kugelige Kapseln mit wenigen kurzen Stacheln, darin ein bis drei glänzend braune Samen.

MerkmalRosskastanieEsskastanie
Blättergefingert, 5–7 Blättchenungeteilt, lanzettlich, gesägt
Fruchthüllewenige kurze, stumpfe Stachelndicht mit langen, spitzen Stacheln
Samenrundlich, ohne Spitze, bittermit Spitze, süßlich

Wozu die Pflanze das Gift hat

Saponine wie das Aescin schützen die stärkereichen Samen vor Fraß und Pilzbefall. Wildtiere wie Rehe und Wildschweine fressen Kastanien trotzdem in Maßen.

Vom Molekül zum Symptom

Aescin ist ein Gemisch aus Saponinen. Es lagert sich an Cholesterin in Zellmembranen und macht sie durchlässiger, im Darm reizt es die Schleimhaut. Aus dem Darm wird es nur schlecht aufgenommen. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt verliefen 91 von 113 Anfragen zur Rosskastanie ohne Beschwerden, 13 mit leichten und eine mit mittelschweren; schwere Verläufe gab es keine.[1] Dass es Ausnahmen gibt, zeigt ein Fallbericht aus Südkorea: Ein 46-jähriger Mann aß einen Rosskastaniensamen, den er für eine Esskastanie hielt. Neben Bauchschmerzen und erhöhten Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerten trat vorübergehend Vorhofflimmern auf, das sich nach einigen Stunden von selbst zurückbildete.[2]

Klinisches Bild

  • Nach einer Kastanie oder Teilen davon
    • meist keine oder leichte Beschwerden
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Bei größeren Mengen
    • Durchfall, Schwindel

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Standardisierte Extrakte aus Rosskastaniensamen sind in Deutschland als Arzneimittel bei Venenschwäche zugelassen. Das Aescin dichtet die Wände kleiner Blutgefäße ab und wirkt so Schwellungen entgegen.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Wendt S, Prasa D, Lübbert C, Begemann K, Franke H: Expositionen mit Fruchtpflanzen in Deutschland im Zeitraum 2010–2019. Bundesgesundheitsblatt 2023; 66: 1423–33.
  2. Yi, Lee: Poisoning due to consumption of horse chestnut seed. Clinical and Experimental Emergency Medicine 2021; 8(4).
  3. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.