Gewöhnliche Rosskastanie
Einer der häufigsten Park- und Alleebäume. Im Herbst sammeln Kinder die glänzenden Samen – und manche beißen hinein. Die Samen schmecken bitter und reizen Magen und Darm, schwere Vergiftungen sind selten.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Triterpensaponine |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Aescin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung |
| Giftige Teile | Samen, besonders unreif; auch Rinde und Blätter |
|---|---|
| Blüte | April bis Mai |
| Fruchtreife | September bis Oktober |
| Herkunft | Balkanhalbinsel; bei uns Park-, Allee- und Schulhofbaum |
Botanisches Profil
Großer Laubbaum, 15 bis 25 Meter hoch. Die Blätter sind gefingert mit fünf bis sieben grob gesägten Blättchen, die nach außen größer werden. Im Frühjahr stehen weiße, rot und gelb gefleckte Blüten in aufrechten Kerzen. Die Früchte sind grüne, kugelige Kapseln mit wenigen kurzen Stacheln, darin ein bis drei glänzend braune Samen.
| Merkmal | Rosskastanie | Esskastanie |
|---|---|---|
| Blätter | gefingert, 5–7 Blättchen | ungeteilt, lanzettlich, gesägt |
| Fruchthülle | wenige kurze, stumpfe Stacheln | dicht mit langen, spitzen Stacheln |
| Samen | rundlich, ohne Spitze, bitter | mit Spitze, süßlich |
Wozu die Pflanze das Gift hat
Saponine wie das Aescin schützen die stärkereichen Samen vor Fraß und Pilzbefall. Wildtiere wie Rehe und Wildschweine fressen Kastanien trotzdem in Maßen.
Vom Molekül zum Symptom
Aescin ist ein Gemisch aus Saponinen. Es lagert sich an Cholesterin in Zellmembranen und macht sie durchlässiger, im Darm reizt es die Schleimhaut. Aus dem Darm wird es nur schlecht aufgenommen. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt verliefen 91 von 113 Anfragen zur Rosskastanie ohne Beschwerden, 13 mit leichten und eine mit mittelschweren; schwere Verläufe gab es keine.[1] Dass es Ausnahmen gibt, zeigt ein Fallbericht aus Südkorea: Ein 46-jähriger Mann aß einen Rosskastaniensamen, den er für eine Esskastanie hielt. Neben Bauchschmerzen und erhöhten Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerten trat vorübergehend Vorhofflimmern auf, das sich nach einigen Stunden von selbst zurückbildete.[2]
Klinisches Bild
- Nach einer Kastanie oder Teilen davon
- meist keine oder leichte Beschwerden
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Bei größeren Mengen
- Durchfall, Schwindel
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Wendt S, Prasa D, Lübbert C, Begemann K, Franke H: Expositionen mit Fruchtpflanzen in Deutschland im Zeitraum 2010–2019. Bundesgesundheitsblatt 2023; 66: 1423–33.
- Yi, Lee: Poisoning due to consumption of horse chestnut seed. Clinical and Experimental Emergency Medicine 2021; 8(4).
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Gewöhnliche Zwergmispel
Kleine rote Früchte an Sträuchern in Gärten und Parks. Sie wird oft angefragt, die Verläufe sind fast immer harmlos.

Gewöhnlicher Efeu
Blüht jetzt, als eine der letzten Futterquellen für Insekten. Aus seinen Blättern wird Hustensaft.

Mittelmeer-Feuerdorn
Leuchtend orange Früchte an dornigen Hecken. Viel Farbe, wenig Gift.