Echter Beinwell
An feuchten Gräben, Ufern und Wegrändern, mit nickenden, violetten bis rosa Blüten. Als Salbe gegen Prellungen bewährt, innerlich wegen seiner Alkaloide nicht zu empfehlen.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Pyrrolizidin-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Symphytin · Echimidin · Lycopsamin |
| WIRKTYP | Lebergift · Erbgutschädigend | Aktivierung in der Leber zu reaktiven Pyrrolen |
| Giftige Teile | vor allem die Wurzel, auch junge Blätter |
|---|---|
| Blüte | Mai bis September |
| Standort | feuchte Wiesen, Gräben, Ufer, Wegränder |
Botanisches Profil
Bis ein Meter hohe Staude mit dicker, außen schwarzer, innen weißer und schleimiger Wurzel. Die großen, lanzettlichen Blätter sind rau behaart und laufen am Stängel herab, der dadurch geflügelt ist. Die röhrigen Blüten hängen in eingerollten Wickeln, violett, rosa oder gelblich-weiß.
| Merkmal | Echter Beinwell | Roter Fingerhut (Rosette) |
|---|---|---|
| Blätter | rau, borstig, ganzrandig | weich, filzig, gekerbt |
| Stängel | geflügelt | rund |
| Grad | 2 | 4 |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Beinwell wächst an feuchten Gräben und Ufern. Die Blüten werden von Hummeln besucht, kurzrüsselige Hummeln beißen sie oft seitlich auf und rauben den Nektar. Die Pyrrolizidinalkaloide schützen vor allem Wurzel und junge Blätter vor Fraß.
Vom Molekül zum Symptom
Wie beim Jakobs-Greiskraut werden die Pyrrolizidinalkaloide erst in der Leber durch Cytochrom-P450-Enzyme zu reaktiven Pyrrolen umgebaut. Diese verbinden sich mit Eiweißen und Erbgut der Leberzellen und der feinen Lebergefäße. Die Schäden summieren sich über die Zeit.
Über die unverletzte Haut werden nur sehr geringe Mengen aufgenommen. Deshalb gelten zugelassene Salben mit kontrolliertem, niedrigem Alkaloidgehalt als vertretbar, Tees und Kapseln zum Einnehmen dagegen nicht.
Klinisches Bild
- Akut
- kaum Beschwerden
- Chronisch, über Wochen bis Monate
- Bauchschmerzen, Bauchwasser, vergrößerte Leber
- Verschluss der kleinen Lebervenen
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Der Name sagt es schon: Beinwell, das Bein wohl machen. Der Gattungsname Symphytum kommt vom griechischen Wort für zusammenwachsen. Seit der Antike wurde die Wurzel auf Knochenbrüche gelegt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products: Community herbal monograph on Symphytum officinale L., radix. London 2015.
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain: Risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements. EFSA Journal 2017; 15: 4908.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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