Europäische Stechpalme
Immergrün, stachelig, mit leuchtend roten Früchten bis in den Winter und als Weihnachtsschmuck beliebt. Im Herbst gehört sie zu den Pflanzen, wegen derer bei Giftinformationszentren häufig angerufen wird.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Saponine (Triterpen-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Triterpensaponine |
| WIRKTYP | Membrantoxin | Schleimhautreizung im Magen-Darm-Trakt |
| Giftige Teile | Früchte und Blätter |
|---|---|
| Blüte | Mai bis Juni |
| Fruchtreife | ab Oktober, oft bis ins Frühjahr am Strauch |
| Besonderheit | zweihäusig: nur weibliche Pflanzen tragen Früchte |
| Schutz | in Deutschland besonders geschützt |
Botanisches Profil
Immergrüner Strauch oder kleiner Baum. Die ledrigen, glänzend dunkelgrünen Blätter haben einen welligen, stachelig gezähnten Rand; an älteren Pflanzen sind die oberen Blätter oft ganzrandig. Kleine, weiße, vierzählige Blüten. Die Früchte sind erbsengroße, scharlachrote Steinfrüchte mit meist vier Steinkernen, botanisch also keine Beeren.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Früchte reifen im Herbst, bleiben aber bis weit in den Winter hängen, eine Reserve für Drosseln, wenn andere Nahrung knapp wird. Vögel vertragen die Inhaltsstoffe und verbreiten die Samen. Die Stacheln schützen die Blätter vor Wild: An älteren Pflanzen sind die oberen Blätter, außer Reichweite von Rehen, oft ganzrandig.
Vom Molekül zum Symptom
Die Früchte enthalten Triterpensaponine, die die Schleimhaut von Magen und Darm reizen. Aufgenommen werden sie kaum, deshalb stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund.
Überraschend: Welche Stoffe genau verantwortlich sind, ist für eine so häufige Pflanze schlecht untersucht. Ältere Angaben zu einem Bitterstoff „Ilicin“ sind chemisch kaum belegt.
Klinisches Bild
- Magen-Darm-Beschwerden
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Bauchschmerzen
- Bei größeren Mengen
- Benommenheit, Schläfrigkeit
Die Geschichte dahinter
Eine Verwandte hat Weltkarriere gemacht: Aus den Blättern der südamerikanischen Ilex paraguariensis wird Mate-Tee aufgebrüht. Sie enthält Koffein, unsere Stechpalme dagegen nicht nennenswert.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Obeso JR: The induction of spinescence in European holly leaves by browsing ungulates. Plant Ecology 1997; 129: 149–56.
- Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Färber-Ginster und Besenginster
Gelb blühende Sträucher mit Hülsen wie Erbsen. Sie enthalten dieselbe Giftgruppe wie der Goldregen, nur weniger davon.

Gewöhnliche Waldrebe
Silbrig-fedrige Fruchtstände im Herbst. Ihr Gift entsteht erst, wenn man sie verletzt.

Gewöhnlicher Liguster
Die Heckenpflanze schlechthin, im Herbst mit glänzend schwarzen Beeren. Nach der Eibe die Pflanze, zu der der Giftnotruf am häufigsten angerufen wird.