Efeublättriges Alpenveilchen
Im Spätsommer und Herbst blüht es in Gärten und Parks, oft bevor die marmorierten, efeuförmigen Blätter erscheinen. Das Gift sitzt in der Knolle, wie bei der Zimmerpflanze.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Saponine (Triterpen-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Triterpensaponine |
| WIRKTYP | Membrantoxin | Komplexbildung mit Cholesterin → Poren in der Zellmembran |
| Giftige Teile | vor allem die Knolle |
|---|---|
| Blüte | August bis Oktober |
| Herkunft | Mittelmeerraum; bei uns in Gärten und Parks, selten verwildert. Heimisch ist nur das Wilde Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens) |
Botanisches Profil
Niedrige Staude mit unterirdischer, scheibenförmiger Knolle, die über Jahre sehr groß werden kann. Die Blätter sind efeuförmig, oft silbrig marmoriert und unterseits häufig rötlich. Die rosa bis weißen Blüten nicken, ihre Kronblätter sind nach oben zurückgeschlagen, am Grund mit dunklerem Fleck. Nach der Blüte rollen sich die Fruchtstiele spiralig ein und ziehen die Kapsel zum Boden.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Knolle ist der Vorratsspeicher, aus dem die Pflanze jedes Jahr neu austreibt. Dort ist der Saponingehalt am höchsten: Wer diesen Speicher anfrisst, trifft auf bittere, schleimhautreizende Stoffe. Die Samen dagegen tragen ein zuckerhaltiges Anhängsel und werden von Ameisen verbreitet.
Vom Molekül zum Symptom
Saponine sind gebaut wie Seife: ein fettlösliches Triterpen-Gerüst und wasserlösliche Zuckerketten. Am besten untersucht ist das Cyclamin aus Alpenveilchen-Knollen. Mit dem fettlöslichen Teil lagern sich Saponine an das Cholesterin der Zellmembran. Mehrere Moleküle bilden Komplexe, die Membran wird durchlässig. Im Reagenzglas lösen Saponine so rote Blutkörperchen auf.
Aus dem Darm werden sie aber kaum aufgenommen. Sie reizen deshalb vor allem dort, wo sie direkt auf Schleimhaut treffen: in Magen und Darm. Das erklärt, warum Saponine im Labor so giftig wirken und beim Verschlucken meist glimpflich verlaufen. Für Fische sind sie dagegen hochgiftig, weil sie über die Kiemen direkt an Zellmembranen gelangen.
Klinisches Bild
- Magen-Darm-Beschwerden
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Bauchschmerzen
- Bei größeren Mengen der Knolle
- selten Schwindel und Kreislaufbeschwerden
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Im Volksmund hieß das Alpenveilchen auch „Saubrot“: Schweine sollen die Knollen ausgegraben und gefressen haben. Ob sie die Saponine wirklich besser vertragen, ist nicht sicher belegt. Der Name zeigt aber, dass „giftig“ immer davon abhängt, für wen.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Sparg SG, Light ME, van Staden J: Biological activities and distribution of plant saponins. Journal of Ethnopharmacology 2004; 94: 219–43.
- Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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