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★★★★☆  Grad 4 · stark giftigHundsgiftgewächse · Apocynaceae

Oleander

Nerium oleander L.

Im Kübel auf Terrassen und Balkonen, im Mittelmeerraum an Straßen und Flüssen. Alle Teile enthalten Herzglykoside, auch getrocknete Blätter.

OleanderOleander
Ledrige, schmale Blätter mit heller Mittelrippe, dazwischen rosa Blütenknospen. Botanischer Garten der Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEHerzglykoside (Cardenolide)
HAUPTTOXINOleandrin
WIRKTYPCardiotoxin | Na⁺/K⁺-ATPase-Inhibition (Cardenolid)
Giftige Teilealle, auch getrocknet und im Rauch verbrannter Zweige
BlüteJuni bis Oktober
HerkunftMittelmeerraum bis Südasien; bei uns Kübelpflanze

Botanisches Profil

Immergrüner Strauch mit schmalen, ledrigen, lanzettlichen Blättern, meist zu dritt im Quirl, mit deutlicher heller Mittelrippe. Rosa, weiße, rote oder gelbe Trichterblüten in endständigen Büscheln. Die Früchte sind lange, schmale Balgfrüchte mit behaarten Samen.

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Oleander wächst im Mittelmeerraum an Flussläufen, die im Sommer austrocknen. Die ledrigen Blätter mit eingesenkten Spaltöffnungen schützen vor Wasserverlust, das Oleandrin vor Fraß. Raupen des Oleanderschwärmers fressen ihn trotzdem.

Vom Molekül zum Symptom

Oleandrin hemmt wie die Fingerhut-Glykoside die Natrium-Kalium-ATPase. In der Herzmuskelzelle steigt das Calcium, das Herz wird übererregbar, und über den Vagusnerv wird der Herzschlag gebremst. Weil die Pumpe auch Kalium in die Zellen holt, steigt bei starker Hemmung das Kalium im Blut.

Oleandrin ist dem Digoxin so ähnlich, dass manche Labortests auf Digoxin bei einer Oleander-Vergiftung anschlagen. Auch die Antikörperfragmente gegen Digoxin werden deshalb eingesetzt.

Klinisches Bild

  • Magen-Darm
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
  • Herz
    • verlangsamter Herzschlag, AV-Blockierungen
    • Herzrhythmusstörungen
  • Labor
    • erhöhtes Kalium im Blut als Zeichen schwerer Vergiftung

Die Geschichte dahinter

Immer wieder wird berichtet, Soldaten hätten sich vergiftet, weil sie Fleisch an Oleanderzweigen gegrillt hätten. Belegt ist keine dieser Geschichten. Gut belegt sind dagegen Vergiftungen durch einen Verwandten: In Südasien gehört der Gelbe Oleander (Cascabela thevetia) zu den häufigsten Ursachen schwerer Pflanzenvergiftungen.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Langford SD, Boor PJ: Oleander toxicity: an examination of human and animal toxic exposures. Toxicology 1996; 109: 1–13.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.