Engelstrompeten
Riesige, hängende Trompetenblüten, die abends betörend duften: als Kübelpflanze auf Terrassen und in Gärten beliebt. Alle Teile enthalten Tropanalkaloide, vor allem Scopolamin.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Tropan-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Scopolamin · Hyoscyamin |
| WIRKTYP | Neurotoxin | Blockade muskarinischer Acetylcholinrezeptoren, auch im Gehirn |
| Giftige Teile | alle, besonders Blüten, Blätter und Samen |
|---|---|
| Blüte | Sommer bis Herbst, im Kübel bis zum ersten Frost |
| Herkunft | Südamerika, vor allem die Anden; in freier Natur ausgestorben, nur noch in Kultur |
Botanisches Profil
Strauch oder kleiner Baum mit großen, weichen, oft behaarten Blättern. Die Trompetenblüten sind oft 20 bis 30 cm lang und hängen nach unten. Je nach Art und Sorte sind sie weiß, gelb, apricot oder rosa und duften abends oft stark. Der Kelch ist lang und röhrig. Die Früchte sind länglich und glatt.
Im Handel sind fast nur Hybriden und Sorten, deshalb steht hier die Gattung.
| Merkmal | Engelstrompete | Stechapfel |
|---|---|---|
| Wuchs | Strauch oder Bäumchen, mehrjährig | Kraut, einjährig |
| Blüten | hängend | aufrecht |
| Frucht | länglich, glatt | kugelig, stachelig |



Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Weiße, abends duftende Engelstrompeten werden in ihrer Heimat von Nachtfaltern bestäubt, rote Arten von Kolibris. In freier Natur gelten alle Arten als ausgestorben, sie überleben nur in Kultur. Eine Erklärung, die diskutiert wird: Die ursprünglichen Samenverbreiter, möglicherweise große Säugetiere, starben aus, und seitdem verbreitet nur noch der Mensch die Pflanzen.
Vom Molekül zum Symptom
Scopolamin und Hyoscyamin besetzen die muskarinischen Acetylcholinrezeptoren, ohne sie zu aktivieren. Der Botenstoff kommt nicht mehr an, der Parasympathikus fällt aus: Speichel, Schweiß und Verdauung versiegen, Pupille und Herzschlag sind nicht mehr gebremst. Das ist dasselbe Muster wie bei der Echten Tollkirsche.
Der Unterschied liegt im Gehirn. Scopolamin, das bei den Engelstrompeten überwiegt, gelangt besonders leicht über die Blut-Hirn-Schranke. Deshalb stehen Verwirrtheit, Halluzinationen und Gedächtnislücken stärker im Vordergrund. Wer Pflanzensaft an den Fingern hat und sich die Augen reibt, bekommt oft eine einseitig weite Pupille, ein Befund, der in der Notaufnahme schnell falsch gedeutet wird.
Klinisches Bild
- Rascher Beginn
- trockener Mund, Schluckbeschwerden
- weite Pupillen, verschwommenes Sehen
- Herzrasen, gerötete, trockene Haut
- Zentrale Wirkung
- Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen
- Gedächtnislücken für die Zeit der Vergiftung
- Nur am Auge
- einseitig weite, lichtstarre Pupille, wenn Pflanzensaft ins Auge gerieben wurde
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Benannt ist die Gattung nach dem niederländischen Naturforscher Sebald Justinus Brugmans. In den Anden werden Engelstrompeten seit Jahrhunderten von Heilern rituell verwendet, ein Gebrauch, der in Europa als Rauschmittel immer wieder zu schweren Vergiftungen führt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Vergiftungen durch Pflanzen. Deutsches Ärzteblatt International 2022; 119: 317–24.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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