Schwarzer Holunder
Einer der häufigsten Sträucher bei uns. Im Spätsommer hängen schwarze Beeren an roten Stielen. Roh, vor allem unreif, verursachen sie Übelkeit und Erbrechen – gekocht werden sie zu Saft und Gelee.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Cyanogene Glykoside |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Sambunigrin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung, geringe Blausäurefreisetzung |
| Giftige Teile | Blätter, Rinde und unreife Beeren; reife Beeren roh in geringerem Maß |
|---|---|
| Blüte | Mai bis Juni |
| Fruchtreife | August bis Oktober |
| Standort | Waldränder, Hecken, Gärten, Siedlungsränder; stickstoffreiche Böden |
Botanisches Profil
Drei bis sieben Meter hoher, sommergrüner Strauch, selten ein kleiner Baum. Die Äste enthalten ein weiches, weißes Mark. Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit fünf bis sieben Fiederblättchen und riechen beim Zerreiben unangenehm. Cremeweiße, flache Blütenstände im Frühsommer, danach glänzend schwarzviolette Beeren in hängenden Dolden an roten Stielen.
| Merkmal | Schwarzer Holunder | Zwerg-Holunder |
|---|---|---|
| Wuchs | verholzter Strauch, 3–7 m | krautige Staude, stirbt im Winter ab |
| Fruchtstände | hängend | aufrecht |
| Giftigkeit | Grad 1 | Grad 2 |
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die cyanogenen Glykoside schützen vor allem Blätter, Rinde und unreife Früchte vor Fraß. Mit der Reife sinkt ihr Gehalt in den Beeren, und die Früchte werden für Vögel wie Amseln und Stare attraktiv, die die Samen verbreiten.
Vom Molekül zum Symptom
Sambunigrin gehört zu den cyanogenen Glykosiden: Wird das Gewebe zerkaut, spalten pflanzeneigene Enzyme den Stoff, und es entsteht Blausäure. Im Holunder sind die Mengen aber gering, deshalb stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund. Erhitzen zerstört die Enzyme und baut das Glykosid weitgehend ab – darum gelten Saft, Gelee und Sirup als unbedenklich. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt führten 5 von 268 gemeldeten Holunder-Expositionen (1,9 %) zu mittelschweren oder schweren Beschwerden.[1] Mehr zu cyanogenen Glykosiden →
Klinisches Bild
- Nach rohen Beeren
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall
- Nach gekochten Beeren
- keine Beschwerden
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Plenert B, Prasa D, Hentschel H, Deters M: Plant exposures reported to the Poisons Information Centre Erfurt from 2001–2010. Planta Medica 2012; 78: 401–8.
- Zakay-Rones Z, Thom E, Wollan T, Wadstein J: Randomized study of the efficacy and safety of oral elderberry extract in the treatment of influenza A and B virus infections. Journal of International Medical Research 2004; 32: 132–40.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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