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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigMoschuskrautgewächse · Adoxaceae

Schwarzer Holunder

Sambucus nigra L.

Einer der häufigsten Sträucher bei uns. Im Spätsommer hängen schwarze Beeren an roten Stielen. Roh, vor allem unreif, verursachen sie Übelkeit und Erbrechen – gekocht werden sie zu Saft und Gelee.

Schwarzer HolunderSchwarzer Holunder
Hängender Fruchtstand mit schwarzen und vereinzelt noch roten Beeren an pinkroten Stielen, dazwischen gefiederte Blätter.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSECyanogene Glykoside
HAUPTTOXINSambunigrin
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung, geringe Blausäurefreisetzung
Giftige TeileBlätter, Rinde und unreife Beeren; reife Beeren roh in geringerem Maß
BlüteMai bis Juni
FruchtreifeAugust bis Oktober
StandortWaldränder, Hecken, Gärten, Siedlungsränder; stickstoffreiche Böden
295
Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Holunder angerufen. 51,5 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 15 (5,1 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Drei bis sieben Meter hoher, sommergrüner Strauch, selten ein kleiner Baum. Die Äste enthalten ein weiches, weißes Mark. Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit fünf bis sieben Fiederblättchen und riechen beim Zerreiben unangenehm. Cremeweiße, flache Blütenstände im Frühsommer, danach glänzend schwarzviolette Beeren in hängenden Dolden an roten Stielen.

MerkmalSchwarzer HolunderZwerg-Holunder
Wuchsverholzter Strauch, 3–7 mkrautige Staude, stirbt im Winter ab
Fruchtständehängendaufrecht
GiftigkeitGrad 1Grad 2

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die cyanogenen Glykoside schützen vor allem Blätter, Rinde und unreife Früchte vor Fraß. Mit der Reife sinkt ihr Gehalt in den Beeren, und die Früchte werden für Vögel wie Amseln und Stare attraktiv, die die Samen verbreiten.

Vom Molekül zum Symptom

Sambunigrin gehört zu den cyanogenen Glykosiden: Wird das Gewebe zerkaut, spalten pflanzeneigene Enzyme den Stoff, und es entsteht Blausäure. Im Holunder sind die Mengen aber gering, deshalb stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund. Erhitzen zerstört die Enzyme und baut das Glykosid weitgehend ab – darum gelten Saft, Gelee und Sirup als unbedenklich. In der Auswertung des Giftinformationszentrums Erfurt führten 5 von 268 gemeldeten Holunder-Expositionen (1,9 %) zu mittelschweren oder schweren Beschwerden.[1] Mehr zu cyanogenen Glykosiden →

Klinisches Bild

  • Nach rohen Beeren
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall
  • Nach gekochten Beeren
    • keine Beschwerden

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Aus erhitzten, reifen Beeren werden Extrakte hergestellt, die keine cyanogenen Glykoside mehr enthalten. In einer kleinen Studie mit 60 Grippekranken klangen die Beschwerden unter Holunderextrakt im Mittel etwa vier Tage früher ab als unter Placebo.[2] Eine Grippeimpfung ersetzt das nicht. Den giftigeren Verwandten zeigt der Zwerg-Holunder →

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Plenert B, Prasa D, Hentschel H, Deters M: Plant exposures reported to the Poisons Information Centre Erfurt from 2001–2010. Planta Medica 2012; 78: 401–8.
  2. Zakay-Rones Z, Thom E, Wollan T, Wadstein J: Randomized study of the efficacy and safety of oral elderberry extract in the treatment of influenza A and B virus infections. Journal of International Medical Research 2004; 32: 132–40.
  3. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.