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★★☆☆☆  Grad 2 · mäßig giftigHülsenfrüchtler · Fabaceae

Bunte Beilwicke

Securigera varia (L.) Lassen

Auch Bunte Kronwicke genannt: ein Schmetterlingsblütler mit rosa-weißen Blüten, die wie eine Krone im Kreis stehen. Er wächst an Wegrändern und Böschungen. Sein Gift hemmt die Energiegewinnung der Zellen; betroffen sind vor allem Weidetiere.

Bunte BeilwickeBunte Beilwicke
Rosa-weiße Schmetterlingsblüten, im Kreis angeordnet wie eine Krone, dahinter gefiederte Blätter und junge Hülsen.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSENitroverbindungen
HAUPTTOXIN3-Nitropropionsäure (als Glykoside gebunden)
WIRKTYPZellgift | hemmt die Atmungskette der Mitochondrien
Giftige Teilealle, besonders Samen und Blätter
BlüteJuni bis August
FruchtreifeAugust bis Oktober
StandortWegränder, Böschungen, Bahndämme, Trockenrasen; oft zur Begrünung gesät

Botanisches Profil

Ausdauernde, niederliegende bis aufsteigende Pflanze, 30 bis 120 Zentimeter lang. Die Blätter sind gefiedert mit 11 bis 25 länglichen Blättchen. Die Blüten sind zweifarbig rosa und weiß und stehen zu 10 bis 20 in kugeligen, kronenartigen Dolden. Die Hülsen sind dünn, vierkantig und zwischen den Samen gegliedert.

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Beilwicke bildet mit Ausläufern dichte Teppiche und wird deshalb gern zur Befestigung von Böschungen gesät. Die Nitroverbindungen schützen sie vor Fraß; für Weidetiere, besonders Pferde, kann sie gefährlich werden.

Vom Molekül zum Symptom

Die 3-Nitropropionsäure blockiert ein Enzym der Atmungskette, die Succinat-Dehydrogenase. Die Zellen können dadurch weniger Energie gewinnen; besonders empfindlich reagieren Nervenzellen.[1] Wiederkäuer vertragen die Pflanze besser, weil Bakterien im Pansen das Gift teilweise abbauen; für Pferde ist sie gefährlicher.

Klinisches Bild

  • Beim Menschen
    • Vergiftungen sind kaum beschrieben
    • möglich wären Übelkeit und Erbrechen
  • Bei Weidetieren, besonders Pferden
    • Schwäche, Gangstörungen
    • bei längerer Aufnahme Lähmungen

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: In der Hirnforschung wird 3-Nitropropionsäure gezielt eingesetzt: Bei Versuchstieren schädigt sie bevorzugt das Striatum, eine Kernregion des Gehirns, und erzeugt dadurch ein Krankheitsbild, das der Huntington-Krankheit ähnelt.[1]

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Beal MF et al.: Neurochemical and histologic characterization of striatal excitotoxic lesions produced by the mitochondrial toxin 3-nitropropionic acid. Journal of Neuroscience 1993; 13: 4181–92.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  3. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.