Hoher Rittersporn
Hohe, tiefblaue Blütenkerzen in vielen Staudenbeeten. Die Gartenformen stammen zu einem großen Teil vom Hohen Rittersporn ab und tragen, wie der verwandte Eisenhut, Diterpenalkaloide.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Alkaloide (Norditerpen-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Methyllycaconitin |
| WIRKTYP | Neurotoxin | Blockade nikotinischer Acetylcholinrezeptoren an der motorischen Endplatte |
| Giftige Teile | alle, besonders Samen und junge Pflanzen |
|---|---|
| Blüte | Juni bis August, nach Rückschnitt oft erneut im Herbst |
| Vorkommen | wild nur selten im Gebirge; sonst als Gartenstaude |
Botanisches Profil
Bis zu zwei Meter hohe Staude mit handförmig geteilten Blättern. Die Blüten stehen in langen, aufrechten Trauben. Jede Blüte hat einen nach hinten gerichteten Sporn, daher der Name. In der Mitte sitzen kleinere, oft dunkle und bärtige Blütenblätter.
| Merkmal | Rittersporn | Blauer Eisenhut |
|---|---|---|
| Blütenform | flach, mit Sporn nach hinten | mit Helm nach oben |
| Hauptgift | Methyllycaconitin | Aconitin |
| Wirkung | blockiert den Acetylcholinrezeptor am Muskel → Lähmung | verhindert, dass Natriumkanäle schließen → Herzrhythmusstörungen |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Alkaloide schützen vor allem junge Triebe und Samen; mit zunehmendem Alter der Pflanze sinkt ihr Gehalt in den Blättern. Die Blüten sind für Hummeln gemacht: Nur Insekten mit langem Rüssel erreichen den Nektar im Sporn.
Vom Molekül zum Symptom
Methyllycaconitin ähnelt im Grundgerüst dem Aconitin des Eisenhuts, wirkt aber ganz anders. Es besetzt nikotinische Acetylcholinrezeptoren, ohne sie zu öffnen. An der motorischen Endplatte, der Verbindung zwischen Nerv und Muskel, kommt das Signal nicht mehr an, ähnlich wie beim Pfeilgift Curare. Die Muskulatur erschlafft, im schlimmsten Fall auch die Atemmuskulatur.
Vergiftungen beim Menschen sind selten. Gut dokumentiert sind sie bei Rindern im Westen der USA. Dort können Hemmstoffe der Cholinesterase, die den Abbau von Acetylcholin bremsen, die Blockade teilweise aufheben.
Klinisches Bild
- Magen-Darm
- Übelkeit, Erbrechen, Speichelfluss
- Nerven und Muskeln
- Muskelschwäche, Zittern, Taumeln
- Lähmung bis zur Atemlähmung
- Herz und Kreislauf
- Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Der Gattungsname Delphinium kommt vom griechischen Wort für Delfin: Die Blütenknospe erinnert an dessen Form. Eine Verwandte aus dem Mittelmeerraum, Delphinium staphisagria, war früher als „Läusesamen“ gegen Kopfläuse in Gebrauch.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Panter KE et al.: Larkspur poisoning: toxicology and alkaloid structure–activity relationships. Biochemical Systematics and Ecology 2002; 30: 113–28.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
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