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★★★☆☆  Grad 3 · giftigHahnenfußgewächse · Ranunculaceae

Hoher Rittersporn

Delphinium elatum L.

Hohe, tiefblaue Blütenkerzen in vielen Staudenbeeten. Die Gartenformen stammen zu einem großen Teil vom Hohen Rittersporn ab und tragen, wie der verwandte Eisenhut, Diterpenalkaloide.

Hoher RitterspornHoher Rittersporn
Tiefblaue Blütentraube im Herbst. Botanischer Garten der Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEAlkaloide (Norditerpen-Typ)
HAUPTTOXINMethyllycaconitin
WIRKTYPNeurotoxin | Blockade nikotinischer Acetylcholinrezeptoren an der motorischen Endplatte
Giftige Teilealle, besonders Samen und junge Pflanzen
BlüteJuni bis August, nach Rückschnitt oft erneut im Herbst
Vorkommenwild nur selten im Gebirge; sonst als Gartenstaude

Botanisches Profil

Bis zu zwei Meter hohe Staude mit handförmig geteilten Blättern. Die Blüten stehen in langen, aufrechten Trauben. Jede Blüte hat einen nach hinten gerichteten Sporn, daher der Name. In der Mitte sitzen kleinere, oft dunkle und bärtige Blütenblätter.

MerkmalRitterspornBlauer Eisenhut
Blütenformflach, mit Sporn nach hintenmit Helm nach oben
HauptgiftMethyllycaconitinAconitin
Wirkungblockiert den Acetylcholinrezeptor am Muskel → Lähmungverhindert, dass Natriumkanäle schließen → Herzrhythmusstörungen

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die Alkaloide schützen vor allem junge Triebe und Samen; mit zunehmendem Alter der Pflanze sinkt ihr Gehalt in den Blättern. Die Blüten sind für Hummeln gemacht: Nur Insekten mit langem Rüssel erreichen den Nektar im Sporn.

Vom Molekül zum Symptom

Methyllycaconitin ähnelt im Grundgerüst dem Aconitin des Eisenhuts, wirkt aber ganz anders. Es besetzt nikotinische Acetylcholinrezeptoren, ohne sie zu öffnen. An der motorischen Endplatte, der Verbindung zwischen Nerv und Muskel, kommt das Signal nicht mehr an, ähnlich wie beim Pfeilgift Curare. Die Muskulatur erschlafft, im schlimmsten Fall auch die Atemmuskulatur.

Vergiftungen beim Menschen sind selten. Gut dokumentiert sind sie bei Rindern im Westen der USA. Dort können Hemmstoffe der Cholinesterase, die den Abbau von Acetylcholin bremsen, die Blockade teilweise aufheben.

Klinisches Bild

  • Magen-Darm
    • Übelkeit, Erbrechen, Speichelfluss
  • Nerven und Muskeln
    • Muskelschwäche, Zittern, Taumeln
    • Lähmung bis zur Atemlähmung
  • Herz und Kreislauf
    • Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Ein Medikament ist aus Methyllycaconitin nicht geworden, aber ein Werkzeug der Hirnforschung. Es blockiert besonders gezielt einen Untertyp des nikotinischen Rezeptors im Gehirn, den α7-Rezeptor, und hilft so, dessen Rolle bei Gedächtnis und Entzündung zu verstehen.

Die Geschichte dahinter

Der Gattungsname Delphinium kommt vom griechischen Wort für Delfin: Die Blütenknospe erinnert an dessen Form. Eine Verwandte aus dem Mittelmeerraum, Delphinium staphisagria, war früher als „Läusesamen“ gegen Kopfläuse in Gebrauch.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Panter KE et al.: Larkspur poisoning: toxicology and alkaloid structure–activity relationships. Biochemical Systematics and Ecology 2002; 30: 113–28.
  2. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.