Gewöhnlicher Efeu
An Mauern, Bäumen und als Bodendecker allgegenwärtig. Jetzt im Herbst blüht er, im Spätwinter reifen die schwarzen Beeren. Dieselben Saponine, die bei Kindern Erbrechen auslösen, wirken im Hustensaft schleimlösend.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Saponine (Triterpen-Typ) |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | α-Hederin |
| WIRKTYP | Membrantoxin | Schleimhautreizung; Kontaktallergie durch Falcarinol |
| Giftige Teile | Beeren und Blätter |
|---|---|
| Blüte | September bis November |
| Fruchtreife | Februar bis April |
| Standort | Wälder, Mauern, Bäume, Gärten |
Botanisches Profil
Immergrüne Kletterpflanze, die sich mit Haftwurzeln festhält. Efeu bildet zwei Blattformen: An kletternden Trieben sitzen drei- bis fünflappige Blätter, an der aufrechten, blühenden Altersform ungelappte, eiförmige bis rautenförmige. Gelbgrüne Blüten in kugeligen Dolden, daraus erbsengroße, reif blauschwarze Beeren.



Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Efeu blüht von September bis November, wenn kaum noch etwas anderes blüht. Für viele Insekten ist er dann eine der letzten Nahrungsquellen, die Efeu-Seidenbiene ist sogar ganz auf seinen Pollen spezialisiert. Die Früchte reifen erst im Spätwinter und sind dann Futter für Vögel, wenn die Vorräte knapp werden.
Vom Molekül zum Symptom
Die Blätter enthalten vor allem Hederacosid C, das im Körper zu α-Hederin umgewandelt wird. Wie andere Saponine lagert es sich an das Cholesterin der Zellmembran und reizt die Schleimhaut von Magen und Darm. Weil die Beeren bitter schmecken, bleibt es meist bei wenigen.
Die Hautreaktionen gehen auf einen anderen Stoff zurück: Falcarinol, ein Polyin, das an Eiweiße der Haut bindet und eine Kontaktallergie auslösen kann.
Klinisches Bild
- Nach Beeren oder Blättern
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- selten Unruhe
- Haut
- Rötung, Juckreiz und Bläschen bei empfindlichen Personen, vor allem bei Gartenarbeit
Vom Gift zum Medikament
Die Geschichte dahinter
Efeu bildet zwei verschiedene Blattformen. Die kletternde Jugendform hat gelappte Blätter, erst nach Jahren entwickelt er an lichtreichen Stellen eine aufrechte Altersform mit ungelappten Blättern. Nur sie blüht und fruchtet. Steckt man einen Zweig der Altersform, wächst daraus ein strauchiger Efeu, der nicht mehr klettert.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Sieben A, Prenner L, Sorkalla T, Wolf A, Jakobs D, Runkel F, Häberlein H: α-Hederin, but not hederacoside C and hederagenin from Hedera helix, affects the binding behavior, dynamics, and regulation of β2-adrenergic receptors. Biochemistry 2009; 48: 3477–82.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Mittelmeer-Feuerdorn
Leuchtend orange Früchte an dornigen Hecken. Viel Farbe, wenig Gift.

Rote Heckenkirsche
Glänzend rote Beeren, immer paarweise. Bitter, und für Kinder trotzdem verlockend.

Schneeball
Rote und schwarze Früchte am selben Strauch. Roh reizen sie den Magen.