Rote Heckenkirsche
Ein Strauch in Hecken und Laubwäldern mit glänzend roten Beeren, die immer paarweise an einem gemeinsamen Stiel hängen. Sie schmecken bitter und reizen den Magen.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Saponine; Glykoside |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Saponine · Xylostein |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung |
| Giftige Teile | vor allem die Beeren |
|---|---|
| Blüte | Mai bis Juni |
| Fruchtreife | Juli bis September |
| Standort | Laubwälder, Waldränder, Hecken, gern auf Kalk |
Botanisches Profil
Ein bis drei Meter hoher, sommergrüner Strauch. Die Blätter stehen gegenständig, sind eiförmig, ganzrandig und weich behaart. Die gelblich-weißen Blüten sitzen paarweise in den Blattachseln. Daraus entstehen paarige, glänzend rote Beeren an einem gemeinsamen Stiel, am Grund oft etwas verwachsen.
| Merkmal | Rote Heckenkirsche | Rote Johannisbeere |
|---|---|---|
| Beeren | zu zweit an einem Stiel | viele in hängenden Trauben |
| Blätter | ganzrandig, eiförmig, weich behaart | drei- bis fünflappig, gesägt |
| Geschmack | bitter | sauer |


Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die roten Beeren fressen Vögel, die die Samen verbreiten. Die Blüten werden vor allem von Hummeln und Bienen besucht. Das Holz ist außergewöhnlich hart und zäh.
Vom Molekül zum Symptom
Die Beeren enthalten Saponine und den Bitterstoff Xylostein. Die Saponine reizen die Schleimhaut von Magen und Darm, die Bitterstoffe sorgen meist dafür, dass es bei einer Kostprobe bleibt.
Genauer untersucht ist die Chemie der Heckenkirschen kaum. Vergiftungsfälle verlaufen fast immer leicht.
Klinisches Bild
- Magen-Darm
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
- Selten, bei größeren Mengen
- Schwitzen, Herzrasen
Die Geschichte dahinter
Die Gattung ist nach Adam Lonitzer benannt, einem Frankfurter Arzt und Botaniker des 16. Jahrhunderts. Der Artname xylosteum bedeutet „Knochenholz“. Aus dem harten Holz wurden früher Werkzeugstiele und Ladestöcke gefertigt.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Schneeball
Rote und schwarze Früchte am selben Strauch. Roh reizen sie den Magen.

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Schwarze Beeren an roten Stielen. Roh reizen sie den Magen, gekocht werden sie zu Saft und Gelee.

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Leuchtend orangerote Beeren, die als giftig gelten. Das ist weitgehend ein Mythos: Roh reizen sie den Magen, gekocht werden sie zu Marmelade.