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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigGeißblattgewächse · Caprifoliaceae

Rote Heckenkirsche

Lonicera xylosteum L.

Ein Strauch in Hecken und Laubwäldern mit glänzend roten Beeren, die immer paarweise an einem gemeinsamen Stiel hängen. Sie schmecken bitter und reizen den Magen.

Rote HeckenkirscheRote Heckenkirsche
Zwei glänzend rote Beeren an einem gemeinsamen Stiel. Waldring, Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSESaponine; Glykoside
HAUPTTOXINSaponine · Xylostein
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung
Giftige Teilevor allem die Beeren
BlüteMai bis Juni
FruchtreifeJuli bis September
StandortLaubwälder, Waldränder, Hecken, gern auf Kalk
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Heckenkirsche angerufen. 92,1 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, bei 2 (0,7 %) traten mittelschwere oder schwere Beschwerden auf. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Ein bis drei Meter hoher, sommergrüner Strauch. Die Blätter stehen gegenständig, sind eiförmig, ganzrandig und weich behaart. Die gelblich-weißen Blüten sitzen paarweise in den Blattachseln. Daraus entstehen paarige, glänzend rote Beeren an einem gemeinsamen Stiel, am Grund oft etwas verwachsen.

MerkmalRote HeckenkirscheRote Johannisbeere
Beerenzu zweit an einem Stielviele in hängenden Trauben
Blätterganzrandig, eiförmig, weich behaartdrei- bis fünflappig, gesägt
Geschmackbittersauer

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Die roten Beeren fressen Vögel, die die Samen verbreiten. Die Blüten werden vor allem von Hummeln und Bienen besucht. Das Holz ist außergewöhnlich hart und zäh.

Vom Molekül zum Symptom

Die Beeren enthalten Saponine und den Bitterstoff Xylostein. Die Saponine reizen die Schleimhaut von Magen und Darm, die Bitterstoffe sorgen meist dafür, dass es bei einer Kostprobe bleibt.

Genauer untersucht ist die Chemie der Heckenkirschen kaum. Vergiftungsfälle verlaufen fast immer leicht.

Klinisches Bild

  • Magen-Darm
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
  • Selten, bei größeren Mengen
    • Schwitzen, Herzrasen

Die Geschichte dahinter

Die Gattung ist nach Adam Lonitzer benannt, einem Frankfurter Arzt und Botaniker des 16. Jahrhunderts. Der Artname xylosteum bedeutet „Knochenholz“. Aus dem harten Holz wurden früher Werkzeugstiele und Ladestöcke gefertigt.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.