Schneeball
Sträucher an Waldrändern, in Hecken und Gärten. Bei uns wachsen vor allem der Gewöhnliche und der Wollige Schneeball. Ihre Früchte reizen roh den Magen, schwere Vergiftungen sind selten.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Iridoide und weitere Bitterstoffe |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Viburnin (Bitterstoff-Gemisch) |
| WIRKTYP | Reizstoff | Magen-Darm-Reizung |
| Giftige Teile | rohe Früchte, Rinde, Blätter |
|---|---|
| Blüte | Mai bis Juni |
| Fruchtreife | August bis Oktober |
| Standort | Waldränder, Hecken, Auwälder; häufig gepflanzt |
Botanisches Profil
Sommergrüne Sträucher mit gegenständigen Blättern und weißen Blüten in Schirmrispen. Beim Gewöhnlichen Schneeball sind die Blätter drei- bis fünflappig wie beim Ahorn, die Früchte glänzend rot und durchscheinend. Beim Wolligen Schneeball sind die Blätter eiförmig, runzlig und unterseits filzig, die Früchte färben sich von Rot nach Schwarz.
| Merkmal | Gewöhnlicher Schneeball | Wolliger Schneeball |
|---|---|---|
| Blätter | gelappt wie beim Ahorn | eiförmig, runzlig, filzig |
| Reife Früchte | rot, glasig | schwarz, vorher rot |
| Standort | feucht, Auwälder | trocken, auf Kalk |

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Beim Wolligen Schneeball reifen die Früchte nicht gleichzeitig: Rot und schwarz hängen am selben Stand. Die Farbmischung gilt als Signal, das Vögel aus größerer Entfernung anlockt. Erst die schwarzen Früchte sind reif.
Vom Molekül zum Symptom
Welche Stoffe genau die Beschwerden auslösen, ist schlecht untersucht. Unter dem alten Namen Viburnin wird ein Gemisch bitterer Stoffe zusammengefasst, darunter Iridoide. Sie reizen die Schleimhaut von Magen und Darm. Gekocht verlieren die Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs einen großen Teil davon und werden in Osteuropa zu Saft und Marmelade verarbeitet.
Klinisches Bild
- Nach rohen Früchten
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Selten, bei größeren Mengen
- Schwindel
Vom Gift zum Medikament
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.
Weitere Einträge

Schwarzer Holunder
Schwarze Beeren an roten Stielen. Roh reizen sie den Magen, gekocht werden sie zu Saft und Gelee.

Vogelbeere
Leuchtend orangerote Beeren, die als giftig gelten. Das ist weitgehend ein Mythos: Roh reizen sie den Magen, gekocht werden sie zu Marmelade.

Weiße Schneebeere
Weiße Beeren, die beim Zertreten knallen. Kinder greifen oft zu, meist bleibt es bei Bauchweh.