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★☆☆☆☆  Grad 1 · gering giftigMoschuskrautgewächse · Adoxaceae

Schneeball

Viburnum

Sträucher an Waldrändern, in Hecken und Gärten. Bei uns wachsen vor allem der Gewöhnliche und der Wollige Schneeball. Ihre Früchte reizen roh den Magen, schwere Vergiftungen sind selten.

SchneeballSchneeball
Steinfrüchte in allen Reifestadien, von hellrosa über rot bis schwarz, zwischen runzligen, behaarten Blättern. Botanischer Garten der Ruhr-Universität Bochum.

Toxikologisches Profil

STOFFKLASSEIridoide und weitere Bitterstoffe
HAUPTTOXINViburnin (Bitterstoff-Gemisch)
WIRKTYPReizstoff | Magen-Darm-Reizung
Giftige Teilerohe Früchte, Rinde, Blätter
BlüteMai bis Juni
FruchtreifeAugust bis Oktober
StandortWaldränder, Hecken, Auwälder; häufig gepflanzt
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Anfragen beim Giftnotruf – so oft wurde das Giftinformationszentrum Erfurt von 2010 bis 2019 wegen die Gattung Schneeball angerufen. 93,8 % der Fälle verliefen ohne Beschwerden, mittelschwere oder schwere Verläufe gab es keine. Wie häufig sind Vergiftungen? →

Botanisches Profil

Sommergrüne Sträucher mit gegenständigen Blättern und weißen Blüten in Schirmrispen. Beim Gewöhnlichen Schneeball sind die Blätter drei- bis fünflappig wie beim Ahorn, die Früchte glänzend rot und durchscheinend. Beim Wolligen Schneeball sind die Blätter eiförmig, runzlig und unterseits filzig, die Früchte färben sich von Rot nach Schwarz.

MerkmalGewöhnlicher SchneeballWolliger Schneeball
Blättergelappt wie beim Ahorneiförmig, runzlig, filzig
Reife Früchterot, glasigschwarz, vorher rot
Standortfeucht, Auwäldertrocken, auf Kalk

Fotos: Benjamin Varbelow

Wozu die Pflanze das Gift hat

Beim Wolligen Schneeball reifen die Früchte nicht gleichzeitig: Rot und schwarz hängen am selben Stand. Die Farbmischung gilt als Signal, das Vögel aus größerer Entfernung anlockt. Erst die schwarzen Früchte sind reif.

Vom Molekül zum Symptom

Welche Stoffe genau die Beschwerden auslösen, ist schlecht untersucht. Unter dem alten Namen Viburnin wird ein Gemisch bitterer Stoffe zusammengefasst, darunter Iridoide. Sie reizen die Schleimhaut von Magen und Darm. Gekocht verlieren die Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs einen großen Teil davon und werden in Osteuropa zu Saft und Marmelade verarbeitet.

Klinisches Bild

  • Nach rohen Früchten
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Selten, bei größeren Mengen
    • Schwindel

Vom Gift zum Medikament

Bis zum Molekül: Die Rinde des Gewöhnlichen Schneeballs wurde in der Volksmedizin als krampflösendes Mittel bei Regelschmerzen verwendet, englisch heißt der Strauch deshalb cramp bark. Eine Wirksamkeit ist nicht belegt.

Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.

Quellen

  1. Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.

Kurzfassung eines Profils aus meinem Buch Heimische Giftpflanzen. Im Buch: Notfall-Tabelle in Phasen, Therapie, weitere Fallberichte und alle Arten der Gattung. Mengenangaben und Zubereitungen stehen hier bewusst nicht.