Großes Schöllkraut
Ein häufiges Kraut an Mauern, Wegrändern und in Gärten. Bricht man es ab, tritt orangegelber Milchsaft aus. Er reizt die Haut; als Tee oder Präparat über längere Zeit eingenommen, kann Schöllkraut die Leber schädigen.

Toxikologisches Profil
| STOFFKLASSE | Isochinolinalkaloide |
|---|---|
| HAUPTTOXIN | Chelidonin, Sanguinarin, Coptisin, Berberin |
| WIRKTYP | Reizstoff | Haut und Magen-Darm; bei längerer Einnahme leberschädigend |
| Giftige Teile | alle, besonders Wurzel und Milchsaft |
|---|---|
| Blüte | April bis Oktober |
| Fruchtreife | Juni bis Oktober |
| Standort | Mauern, Wegränder, Gebüsche, Schuttplätze; nahe Siedlungen |
Botanisches Profil
Ausdauernde Staude, 30 bis 70 Zentimeter hoch, mit zerbrechlichem, abstehend behaartem Stängel. Die Blätter sind hellgrün, unterseits bläulich, gefiedert mit rundlich gekerbten Abschnitten. Die gelben Blüten haben vier Kronblätter und viele Staubblätter. Die Früchte sind schmale, schotenförmige Kapseln. Kennzeichen: Aus jeder Bruchstelle tritt orangegelber Milchsaft.

Fotos: Benjamin Varbelow
Wozu die Pflanze das Gift hat
Die Samen tragen ein fettreiches Anhängsel, das Ameisen anlockt. Sie schleppen die Samen in ihre Nester und verbreiten sie so – deshalb wächst Schöllkraut oft in Mauerritzen und Pflasterfugen.
Vom Molekül zum Symptom
Der Milchsaft enthält eine ganze Reihe von Isochinolinalkaloiden. Sanguinarin und Chelidonin reizen Haut und Schleimhäute und hemmen die Zellteilung. Schöllkraut wurde lange als Mittel bei Galle- und Magenbeschwerden verkauft. Nach Berichten über Leberschäden hat der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur den Nutzen der innerlichen Anwendung als nicht ausreichend belegt bewertet.[1] Die Leberschäden gelten als individuelle Unverträglichkeit: Sie treten nicht bei allen auf und hängen nicht sicher von der Dosis ab.
Klinisches Bild
- Nach Kontakt mit dem Milchsaft
- Rötung, Reizung der Haut
- Nach dem Verschlucken von Pflanzenteilen
- Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Nach wochenlanger Einnahme als Tee oder Präparat
- Leberentzündung mit Gelbsucht beschrieben
Die Geschichte dahinter
Der Volksname „Warzenkraut“ erinnert daran, dass der orangegelbe Milchsaft über Generationen auf Warzen getupft wurde. Der Gattungsname Chelidonium kommt vom griechischen Wort für Schwalbe: Das Kraut blüht etwa von der Ankunft bis zum Abzug der Schwalben.
Im Vergiftungsverdacht nicht abwarten, auch ohne Beschwerden: Giftnotruf Bonn 0228 19240, in Notfällen 112. Pflanze oder Fotos davon mitnehmen.
Quellen
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products: Assessment report on Chelidonium majus L., herba. London 2011.
- Frohne D, Pfänder HJ: Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Rothmaler W (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Atlasband. 14. Auflage, Springer Spektrum 2025.
Weitere Einträge

Italienischer Aronstab
Leuchtend rote Beerenkolben im Herbst. Winzige Kristallnadeln brennen sofort im Mund.

Japanischer Blauregen
Eine kräftige Kletterpflanze an Hauswänden und Pergolen mit langen, duftenden Blütentrauben. Samen und Hülsen verursachen heftiges Erbrechen.

Kermesbeeren
Glänzend schwarze Beeren an pinken Stielen. Am giftigsten ist die Wurzel.